Nicht nur weil Maren in Paris studiert, liegt ein Besuch in dieser aufregenden und schwer faszinierenden Stadt Metropole nahe, aber es ist ein gewichtiger Grund, weswegen Bine und ich die Tage vor Ostern genau dafür verplanen.
27.03.
Am Freitag beginnt der Urlaub. Vor zehn Jahren hatten Axel und Michael die grandiose Idee, die Geschichte unserer geliebten Eintracht auf die Bühne zu bringen. „Eintracht ist unser Leben!“ hat am 02.04.2016 Premiere. Seitdem sind zehn Jahre vergangen, wir feiern uns und dieses grandiose Projekt im FanHaus mit uns, mit Axel, mit Michael, mit Jana. Und das Gefühl ist wie vor zehn Jahren. Mit Erinnerungen, mit einem Blick auf die Aufführung seinerzeit, mit Bratwurst und Bier. Es wird ein wunderschöner Abend, es wird ein langer Abend.
28.03.
Um 2:00 ins Bett, um 6:00 Uhr raus, etwas unangenehm. Aber die Bahn wartet nicht. So jedenfalls der Gedanke. Die Bahn zeigt sich allerdings – natürlich – in ihrer Unzuverlässigkeit verlässlich – wir müssen improvisieren, am Ende passt alles, auch wenn wir das Auto in Hannoi abstellen müssen, was genau nicht der Plan war. Immerhin rollen wir ohne weitere Komplikationen nach Köln. Großzügig gewählt ist die Pause, wir wollen den Kölner Dom anschauen, der Rest ist verzichtbar oder anders: Köln ohne Dom hätte noch den Rhein, paar Brauhäuser (u.a. das Päffgen, aber in dem laufen unbehelligt Mäuse rum und keiner tut was dagegen), was doch recht wenig ist bei dem Grad der Selbstinszenierung, den die 1,1-Mio-City gewählt hat.
Am Ende egal, 16:43 startet der Eurostar die Fahrt nach Paris Nord, die Spannung steigt, die Vorfreude steigt, die Aufregung steigt.
Pünktlich um 20:12 kommen wir im Gare Nord an, Maren holt uns ab und bringt uns zur Wohnung, hier haben wir für die Tage in Paris unsere Unterkunft, 1.000 Dank für diesen Service und überragenden Pragmatismus. Das vereinfacht vieles so ungemein, vor allem aber ist es einfach unfassbar preiswert, wir genießen es total.
29.03.
Als erstes steht Ausschlafen, das haben wir uns nicht nur nach der Anreise, sondern auch und vor allem nach den letzten Wochen mehr als verdient. Also den Urlaub im Allgemeinen und das Ausschlafen am heutigen Tag im besonderen:-) Gerade die letzten paar Wochen waren schon fordernd.
Ganz in der Nähe ist der legendäre Friedhof Peré-Lachaise, ein Sonntagsspaziergang sozusagen. Spannend und schön ist er und natürlich gibt es so einige Gräber, die spannend wären zu sehen. Wir setzen die Punkte bei Bizet, Haussman und Chopin und genießen den Friedhof als Gesamtkunstwerk.
Anschließend auf zum Parc des Buttes-Chaumont, der ist schon schön, seinen daraus vorhandenen Zauber vermag er heut indes nicht vollends zu entfalten, die Brücken sind gesperrt, der Park ist dennoch schön, vielleicht sind wir einfach insgesamt einfach ein wenig müde.
Zu müde für den Park? Vielleicht auch das, denn für die wunderschöne Metrostation Porte Dauphine reicht die Kraft ja denn doch, Jugendstil geht halt immer😀.
Vor allem aber wollen wir über genau diese Metrostation zur Fondation Louis Vuitton und das wird ein ganz anderes Highlight, eine architektonische Perle. Aktuell ist keine Ausstellung, desto mehr können wir uns der abgefahrenen, überraschenden, innovativen Architektur widmen. Unzählige Perspektiven gibt es. Auf den Eiffelturm, auf La Defense. In der Achse – natürlich. Paris hat klare Achsen, viele davon laufen auf den Eiffelturm zu. Aber dazu später mehr.
Die Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne wird nach zehn Jahren Planungs- und Bauzeit am 27. Oktober 2014 eröffnet. Der amerikanische Architekt Frank O. Gehry hat für die Unternehmensstiftung der LVMH Gruppe (Moët Hennessy – Louis Vuitton) ein Museum für die zeitgenössische Kunst errichtet, er revolutioniert die Verwendung von Glas und schafft gigantische, geradezu unvorstellbare Formen, um ein helles, leichtes, einzigartiges und innovatives Gebäude zu verwirklichen.
Der Kern ist der sogenannte „Eisberg“ mit diversen Freiluftterrassen für feinsten Panoramablick genau in der Achse von La Defense und dem Tour Eiffel. Umhüllt wird der Eisberg von zwölf gekrümmten, gläsernen Segeln, die den Raum neu definieren, und eine atemberaubende Dynamik erzeugen. Die Anforderungen an die gekrümmten Fassadenelemente sind enorm, 24.000 m3 Stahlbeton, 15.000 t Stahl und Edelstahl, 800 m3 Holz und 13.400 m2 Glas sind für die Segel verbaut. Die individuellen Beuteilformen erfordern innovative, neue Modellierungs- und Fertigungsverfahren.
Hier mehr dazu HIER oder hier HIER.
Zum Essen treffen wir Maren wieder und Eva, um im Karaz, dem Libanesen am Kanal zu essen. Lecker.
30.03.
So richtig ausschlafen ist heute nicht, Notre-Dame lockt nach dem verheerenden Brand am 15. + 16. April 2019. Vom Brand und der Zerstörung des hölzernen Dachstuhls und des Spitzturms bis zum Wiederaufbau und der Wiedereröffnung am 07. Dezember 2024 ausführlich hier nachzulesen: Wiki zum Brand in Notre-Dame.
In Rekordzeit ist Notre-Dame de Paris wieder rekonstruiert und neugierig sind wir natürlich. Zuvor lassen sich kostenlose Timeslots buchen, unser ist relativ früh. Okay, dann halt früh aufstehen, immerhin sind wir aber so früh dran, dass keine Schlangen sind, wir kommen direkt rein. Drinnen empfinden wir es aber eher als extrem unangenehm. Völlig überfüllt, recht laut. Die Würde einer Kirche geht Notre-Dame damit völlig ab und es ist bekanntlich nicht so, dass ich vor so kirchlichen Dingen in Ehrfurcht erstarre, aber eine Kirche darf gern noch eine Kirche bleiben, damit ich sie wirklich ernstnehmen kann.
Anschließend entscheiden wir uns für jede Menge Fußweg, beste Entscheidung. Zunächst geht es gar nicht um ein Ziel, einfach ums Laufen. Ums Schauen. Ums Entspannen. Ums Genießen. Um den Urlaub.
Und dann stehen wir auf einmal vor dem Panthéon. Dann können wir natürlich auch rein, war ja eh i-wie auf dem Plan. Pompöses Teil, einer nationalen Ruhmeshalle würdig. Jetzt kenne ich die meisten der hier Beigesetzten eher nicht, aber Braile, den Erfinder des Blindenalphabets kenne ich schon und das ist schön.
Einen anderen, einen starken, einen unvergesslichen Blick auf den Eiffelturm und auf Paris verspricht Tour Montparnasse. Blöd nur, dass es keine Timeslots mehr zu buchen gab und er eh geschlossen/renoviert werden soll und deswegen nicht mehr zugänglich sei. Die Angaben widersprechen sich etwas und während wir im Jardin du Luxembourg noch mit den Leckereien von der entzückenden Boulangerie am Panthéon beschäftigt sind, reift der Entschluss, einfach über Montparnasse zum Eiffelturm zu laufen, mit dem wir ja heut auch noch ein Date haben.
Man kann ja nie wissen. Und so stehen wir 20 Minuten später vor Montparnasse. Schön is dat Dingen nicht, schön is auch das ganze Umfeld nicht, alles sieht i-wie nach einem Gebäude in seinen letzen Tagen aus. Aber zu ist er nun auch nicht, wir hatten also die richtige Idee. Kurzer Sicherheitscheck, bezahlt wird oben.
Die wesentlichen Fakten werden direkt im Aufzug präsentiert: 210 Meter hoch, 7.200 Fenster, 59 Stockwerke, 1.306 Stufen, 25 Aufzüge. Jetzt hätte ich die Info über die Anzahl der Fenster nicht wirklich gebraucht und die 25 Aufzüge sind mir auch relativ egal, wenn es eh nur einer ist, der hoch und runter fährt, aber geschenkt.
Uns wird klar, wie unfassbar richtig unsere Eingebung war: heute, am 30.03. ist der letzte Tag, ab morgen ist der Turm für vier Jahre geschlossen. Ein Facelifting für 600 Millionen € steht an: eine transparente Glasfassade soll kommen, ein Hotel, Geschäfte und Büros, die Aussichtsplattform darf nicht fehlen, im Gespräch ist auch ein Restaurant mit Blick auf den Eiffelturm.
Uns liegt ein traumhaftes Panorama von Paris zu Füßen, es ist ein Traum bei traumhaftem Wetter. Der Panoramablick ist grandios und natürlich ist der Eiffelturm mit dem davor liegenden Champ-de-Mars der Star und mit diesem Blick freuen wir uns umso mehr auf unser näxtes Ziel.
Rechts weg auf dem Wege liegt der Invalidendom, recht schnell liegt das Marsfeld vor uns und damit der ikonische Tour Eiffel.
Unterhalb des Turms trennen sich zunächst unsere Wege, ich möchte die Treppe nehmen, vor allem um einen Blick auf diese geniale Konstruktion nehmen zu können, Bine nimmt den Aufzug. Wir treffen uns auf der 2. Etage. Und genießen das Pano, genießen den Blick über die Seine, den Blick auf die schicken Brücken, genießen den Eiffelturm. Sind schwer begeistert von diesem Turm, von dieser Ingenieurskunst, von dieser Ästhetik, von diesen Achsen.
330 Meter ist er hoch, errichtet von 1887 bis 1889 von Gustave Eiffel. Eine würdige Erinnerung an die Französische Revolution 1789 sollte er sein und gleichzeitig monumentaler Eingangs- und Aussichtsturm für die Weltausstellung 1889. Bis 1930 das höchste Bauwerk der Welt und bis heute die wichtigste Sendeanlage des Großraums Paris. In Spitzenzeiten waren es 7.000.000 Besucher, weltweiter Spitzenwert. Eine Ikone, es gäbe unfassbar viel zu erzählen, hier ist einiges zusammengetragen zu Architektur, Entstehungsgeschichte, Rezeption usw. Ultraspannend.
Letztlich wird für den Bau der flexibelste und zu der Zeit modischste Werkstoff verwendet. Stahl. Kohle und Stahl haben ihre Symbiose gefunden Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts. Spätestens mit der veredelten Kohle – dem Koks – und immer leistungsfähigeren Hochöfen kann Stahl in einer Qualität hergestellt werden, die die benötigte Stabilität garantiert. Bei gleichzeitiger Flexibilität, ja nicht ganz unwichtig bei den anstehenden Belastungen.
Die Stahlskelettbauweise ist schon zuvor bei anderen Sachen zum Einsatz gekommen, vielleicht kann man es als eine Art Zeitgeist beschreiben, ein Zeitgeist, den Eiffel mit seiner Funktionalismus-Ikone nochmal zusätzlich befeuert. Zahlreiche Bauten folgen, insbesondere aber löst der Eiffelturm eine wahre Turm- und Brückenbauwelle aus.
Anschließend Pont de Bir-Hakeim mit bestem Blick auf den Eiffelturm, eine Neuentdeckung für mich dank Bine.
Wir laufen weiter entlang der Seine bis zur wunderschönen Pont Alexandre III, insgesamt einwunderschöner Tag bisher mit 20 höchst spannenden Kilometern durch Paris. Die abschließen am Place de la Concorde, wo wir die Metro nehmen, um einer weiteren Empfehlung von Maren zu folgen und im Maslow Temple zum Essen einkehren. Ganz spannender Laden, spannendes Essen. Wir heben den Altersdurchschnitt zwar ein wenig, aber das ist uns ziemlich egal.
31.03.
Oberste Priorität: Ausschlafen. Auch Heute. Auch in Paris. Auch heute werden wir auf unsere Kilometer kommen. Doch zunächst wollen wir Baguette und Croissants und Kaffee genießen in unserer kleinen Wohnung. Es ist nicht nur ein kleines Ritual, zum jüdischen Bäcker La Délicieuse zu laufen und frisches Baguette und frische Croissants zu kaufen, um die Ecke vielleicht noch eine frische Mango oder Papaja mitzubringen, es ist auch gelebter Urlaub, die Freude an genau solchen Kleinigkeiten und damit der perfekte Start in den Tag. Wir lieben es und zelebrieren es dementsprechend.
Ins Le Marais, mit dem alten jüdischen Viertel, zieht es uns noch früh genug, abgesehen davon wohnen wir nur eine knappe halbe Stunde vom Place des Vosges entfernt, sind so gesehen also quasi mittendrin. Besser geht’s nicht.
Und so beginnt unsere Tagestour an genau dem Place des Vosges, ein faszinierend schöner Platz mit Arkaden um den ganzen Platz. Einheitliche Architektur, genau dafür steht der Platz, genau das strahlt er aus. Anmut durch Einheitlichkeit.
Danach schlendern wir weiter durch die kleinen Sträßchen, durch die Gassen des Marais. Es gibt kein wirkliches Ziel, das einzige Ziel ist, sich treiben zu lassen durch das lebendige Viertel, ein paar wenige Läden direkt anzusteuern und ganz viele Läden nebenbei mitzunehmen.
Hier ist das alte Paris, hier sind keine breiten Straßenzüge, hier hat ein Pariser Stadtteil sein nahezu unberührtes Aussehen bewahrt. Die großen Verkehrsachsen, gerade gestern gesehen vom Tour Montparnasse oder Tour Eiffel, führen am Marais vorbei, die Haussmannsche Modernisierung im 19. Jhdt. war im Marais kein Thema.
Kleiner Exkurs zum Thema Haussmann: Für das Paris der Moderne, für das Paris der breiten Straßen oder Boulevards, für ein Paris der klaren Achsen steht Baron Georges-Eugiène Haussmann (1809-1891). Im Auftrag von Napoleon III.
Der von 1853 und 1870 als Präfekt der Stadt regierende Baron unternahm (…) die Herkulesaufgabe, die französische Hauptstadt zu einer einheitlichen Metropole zu formen. Er verkörpert dabei die Wendezeit einer Stadt zwischen Mittelalter, Renaissance und dem sich entwickelnden Industriezeitalter (…). Ihm sind unter anderem die ikonischen Straßenzüge, Boulevards und Hausfassaden von Paris zu verdanken. Doch was prägte die stadtplanerischen Bedenken dieser Zeit und welchen Einfluss übten diese auf die Architektur aus?
Die Schwerpunkte zur Zeit von Hausmann lagen dabei auf Sicherheit, Verkehr und Hygiene. Zum einen verschwanden die engen Straßen und machten Platz für Transportachsen. Damit sollten Aufstände und Unruhen innerhalb des Stadtgebietes erschwert werden. Zum anderen sollte dieser Eingriff die hygienischen Lebensbedingungen in Paris verbessern und durch die Erweiterung der Kanalisation und Schaffung von Grünflächen die Ausbreitung von Krankheiten verhindert werden. Die grünen Lungen von Paris, welche das Bois de Boulogne und der Parc de Vincennes sind, wurden zu dieser Zeit in den Stadtraum integriert. (…)
Die Straßenzüge und Boulevards wurden zu einer netzartigen Struktur umgeordnet. Diese fungieren seitdem als Verbindungspunkte zwischen den wichtigen Orten, wie öffentlichen Plätzen, Parks und Monumenten. Die breiten Boulevards ermöglichten dabei auch den unterirdischen Bau der Katakomben und Kanalisationsanlagen. Später vereinfachten sie den Bau der Metrotunnel. Zwischen 1852 und 1868 wurden dabei bis zu 18.000 Gebäude zerstört und 60 Prozent der Stadtfläche wurde umgestaltet. Quelle
Die Struktur der heutigen Metropole mit den klaren Achsen, mit den breiten Boulevards ist gewachsen eben auch unter massiver Verdrängung der Arbeiter, die sich die neuen Wohnungen nicht mehr leisten konnten, flankiert von der Napoleonschen Idee, mit breiten Straßen mehr Kontrolle über den potentiell aufständischen Volkskörper zu erlangen.
Die klare Struktur, die breiten Straßenzüge und Boulevards, die klaren Achsen, die wir heute an Paris so schätzen hat eben auch einen Hintergrund, der sozialkritisch beleuchtet ein differenziertes Bild der Haussmannschen Modernisierung ergibt. Exkurs Ende.
In den 60er/70er Jahren saniert ist das Viertel mittlerweile schwer angesagt, alte Stadtpaläste stehen neben alten Handwerkerhäusern oder schmalen Mietshäusern, dazwischen immer wieder kleinere und größere Parks.
Seit dem 13. Jahrhundert finden trotz mehrerer Vertreibungen und Ansiedlungsverbote zuwandernde Juden immer wieder eine Heimat im Marais. Highlights sind sicherlich das Musée Carnavalet – Histoire de Paris, Musée National Picasso-Paris oder Maison de Victor Hugo. Aber genau die interessieren uns nicht, zumindest nicht heute, wir laufen lieber entlang der kleinen Boutiquen, Cafés, Boulangerien, Chocolaterien. Der Tag vergeht mit viel Bewegung, vielen kleineren Leckereien und viel Vorfreude auf den Abend.
Denn auf den freuen wir uns nach dem Marais, zuvor lecker Essen mit Maren und dann wollen wir in die Opéra Bastille. Tosca wartet, zunächst aber ein spannendes modernes Opernhaus.
Eines der Mitterand-Großprojekte. 1982 wird der Bau des neuen Opernhauses beschlossen, um die historische Opéra Garnier zu entlasten. Geplant wird nichts geringeres als das zu seiner Zeit modernste Opernhaus der Welt.
Entscheidend ist die Architektur des „moderne et populaire“, moderne Architektur für das Volk, 2.745 Plätze hat die Oper. Unfassbar spannend.
Am 13. Juli 1989 wird sie eröffnet als Auftakt der Feierlichkeiten zum 200. Jahrestag des Sturms auf die Bastille und des Beginns der Französischen Revolution, dabei sind zahlreiche Staatschefs wegen des gleichzeitig stattfindenden G7-Gipfels. Gleich im Anfang konterkariert also die Polit-Elite die Idee des Hauses für das Volk, aber wen wundert‘s, so ist es immer.
Die Tosca ist überragend, ein wunderschöner Tag findet einen grandiosen Abschluss.
01.04.
Den Besuch des Musée d‘Orsay hatte ich mir sehr gewünscht, ich liebe dieses Museum, diesen ehemaligen Bahnhof Gare d’Orsay. Am 28. Mai 1900 wird er eröffnet. Recht schnell stößt er aber an seine Grenzen, die Bahnsteige sind schlicht zu kurz. Das Umfeld des Gare d’Orsay lässt keine Bahnsteigverlängerungen zu und so endet 1939 die Ära das Fernverkehrs, später auch die des Nahverkehrs.
Später ist der leere Bahnhof Drehort für Filme, von 1972 bis 1981 wird er als Théâtre d’Orsay genutzt. 1978 wird er für 80 Millionen Franc vom Staat gekauft, infolge einer Initiative des französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing, und unter Denkmalschutz gestellt. Seit 1986 ist hier die Heimat des Musée d’Orsay. Auf 16.000 Quadratmetern sind mehr als 4000 Exponate, Gemälde, Skulpturen, Grafiken aus der Zeit zwischen 1848 und 1914.
Zwischen 1986 und 2005 besuchen über 51 Millionen Menschen das Musée d’Orsay. Im Jahr 2023 verzeichnet das Museum mit mehr als 3,8 Millionen Besuchern einen neuen Rekord.
Unter Leitung der Architektin Gae Aulenti wurde das Bahnhofsgebäude von 1980 bis 1986 behutsam und unter Wahrung der alten Bausubstanz zum Museum umgebaut. Die Haupthalle wurde weitgehend freigelegt. Zu beiden Seiten wurden von Terrassen überdeckte Museumssäle eingebaut. Alte Ornamente aus Eisen und Stuck wurden wieder freigelegt. Das vorhandene Glasdach wurde genutzt, um eine helle, große Galerie zu schaffen. Neben der großen Haupthalle entstanden auf beiden Seiten im Unter- und im Zwischengeschoss dunkle und helle Nebengalerien. Auf Höhe des Dachgewölbes, an der Stirnseite, unter anderem in den restaurierten Räumen des ehemaligen Hotels, sowie an der dem Seine-Ufer zugewandten Längsseite befinden sich weitere Ausstellungsräume. Besonders empfindliche Kunstwerke sind an dunkleren Stellen im Museum platziert. Quelle
Gerade die 5. Etage, die Hauptgalerie des Impressionismus mit zB Monet, Renoir, Degas, Van Gogh ist schon enorm voll, die Uhrenfenster mit Blick auf die Seine und Montmartre sind belagert von Insta & Co. In den anderen Bereichen hält sich der Ansturm zum Glück in Grenzen, so dass wir das Museum insgesamt genießen können – mit eben diesen Abstrichen. Aber so sind offensichtlich die Zeiten.
Der weitere Weg geht durch den Jardin des Tuileries gen Lafayette, bedeckt ist es und leicht regnerisch, das ist zwar nicht so ganz urlaubsschön, aber so ganz schlimm eben auch nicht, es ist ja kein nerviger Dauerregen. Zwischenstopp bei einer kleinen Boulangerie, die Bäckerei ist klitzeklein, hat aber unfassbar leckere Sachen.
Inzwischen haben wir Montmartre erreicht und vor allem Sacré-Cœur de Montmartre steht hier als Monument. Zuvor streifen wir etwas durchs spannende Viertel, die Basilika von 1914 indes sparen wir uns, es stehen so viele Leute hier an, es ist unfassbar und genau darauf haben wir keinen Bock. Seit wann stehen die Leute an, um in eine Kirche zu kommen? Den Turm von Sacré-Cœur hätten wir zwar schon gern bestiegen, der ist cool und bietet einen grandiosen Blick auf Paris. Aber einerseits ist‘s die gleiche Schlange zum Anstehen und andererseits ist das Panorama heute gerad nicht ganz so dolle.
Also eher der Fußweg weg vom Montmartre über das afrikanische Einwandererviertel Goutte d’Or mit einem sichtbaren und spannenden Mix an Kulturen.
Ziel ist ein kleiner Laden, Buddy Buddy, absolute Empfehlung von Maren und mindestens die Organic Almond Butter haben wir ja schon mal probiert und als richtig richtig lecker eingestuft. Nun kommen noch Organic Cinnamon Roll Almond Butter und Organic Praline Chocolate Nut Butter hinzu, grandioses Zeugs:-)
Gar nicht so weit entfernt – wieder in der Nähe des Kanals – ist das Tien Hiang, wieder leckeres Essen gemeinsam mit Maren, die Empfehlungen sind immer sehr cool und machen Spaß und treffen genau unseren Geschmack und unsere Idee der Paris-Reise.
02.04.
Die Tage zuvor sind wir immer wieder auch in der Nähe des Grand Palais. Heute wollen wir rein in dieses fantastische Gebäude. Nicht so einfach, für die Marais-Ausstellung sind die Eintrittskarten ausverkauft, rein kommen wir zwar, aber in die Halle mit der so beeindruckenden Stahl-Glas-Konstruktion kommen wir halt nicht. So bleibt der Eindruck von diesem Palais von 1900, aber natürlich hätten wir gern mehr gehabt.
Wir laufen weiter gen Invalidendom, noch i-wie unschlüssig, ob wir überhaupt hinein wollen. Wir haben mehr Lust auf das direkt benachbarte Musée Rodin, insbesondere auf den Park Rodin.
Und was hier an Skulpturen zu entdecken ist, was hier an Perspektiven – auch und mit dem Invalidendom im Hintergrund – geboten ist, ist schon schick. Wir genießen die Zeit. Ikonisch „Der Kuss“ von 1886.
Anschließend schlendern wir noch einmal über die Ponte Alexandre III. durch die Jardin des Tuileries ins Marais. Um die Ecke sind wir daheim, aber wir wollen noch einmal das Viertel genießen, noch einmal den einen oder anderen kleinen Laden mitnehmen. Es wird letztlich der würdige Abschluss dieses Paris-Urlaubs.
Später essen wir noch ne Kleinigkeit nebst einem Bier bei uns um die Ecke im Le Nouveau Carillon.
03.04.
Die intensive, wunderschöne, aufregende Zeit in Paris ist zu früh zu Ende, es war vorher klar, heute ist es umso deutlicher. Es fällt dolle schwer, Abschied zu nehmen und es sind auch die Kleinigkeiten, die wir mitnehmen, mitnehmen neben dem Eiffelturm und dem überragenden Gefühl von Paris, was da auch ist/sind: Croissants und Baguette vom La Délicieuse in ‚unserem’ kleinen, temporären Zuhause, die frischesten Mangos und Papayas dieser Welt um die Ecke, Rodins Kuss oder der Spaziergang im Parc des Buttes-Chaumont oder die gemeinsame richtige Entscheidung Tour Montparnasse. Oder oder. Ich habe jede Sekunde genossen mit Dir liebste Bine und mit Dir liebe Maren.















































