Mitte August: Überstunden müssen weg, Bine muss leider arbeiten, ich nehme also die Ma mit zu einem Ausflug an die Mecklenburger Seenplatte. Als ich Ich ganz klein war, haben wir hier Urlaub gemacht, die Erinnerungen daran sind aber quasi nicht da, dazu war ich halt zu klein. Aber es gibt ein paar Dias von damals.
Im exzellenten Hotel Bornmühle am Tollensesee sind wir die näxten Tage daheim, von dort aus starten wir unsere Touren. Zunäxt laufen wir nach der Ankunft zum Tollensesee, das Hotel ist direkt dran und entlang der Pferdekoppel geht’s zum See, eine kleine aber feine Wanderung nach knapp vierstündiger Fahrt.
Ein Kormoran und ein junges Blässhuhn zeigen sich, ansonsten ist es recht ruhig, auch um das Hotel rum.
Am näxten Tag nach Waren entlang dieser so schönen Alleenstraßen, landschaftlich ist das hier ganz weit vorn und es ist eben nicht nur eine Stunde Weg bis nach Waren, sondern eine extrem schöne. Waren (ca. 20.000 EW) ist wunderbar gelegen zwischen Tiefwarensee, Feisnecksee und Binnemüritz und zudem direkt am Müritz-Nationalpark, als Ort allerdings recht klein, so dass wir auch recht schnell mehr oder weniger durch sind und über die Georgenkirche zurück zur Strandpromenade und zum Hafen schlendern. Angenehm unterbrochen von 30 min Orgelmusik in St. Georgen. Klangbaden nennt die Kirche die musikalische Auszeit mit der Lütkemüller-Orgel – wie gemalt für den eigentlichen Urlaubsauftakt.
Natürlich ist das nicht tagesfüllend, das näxte Ziel ist dann schon der Müritz-NP. Heuer mit dem Aussichtspunkt Schnakenburg und später dem Moorsteg rund um den Wienpietschsee. Die Vogelwelt hält sich auffallend zurück, was natürlich bissel schade ist, denn gerade am Ufer der Müritz mit dem ganzen Schilf und den Sträuchern hätte ich auf bissel mehr gehofft. Aber so ist es dann halt, die Wanderung ist ja dennoch, gerade um den Wienpietschsee, mit Blutroter Heidelibelle und Moorfrosch, top.
Den Nachmittag / Abend lassen wir im Hotel ausklingen, wie geschrieben, hier bleiben keine Wünsche offen.
Ganz in der Nähe liegt die Burg Stargard und die wiederum liegt ganz in der Nähe von Neubrandenburg. Während ich Waren schon mal gesehen habe, allerdings eben so klein war, dass ich keine aktive Erinnerung daran habe, habe ich die Burg und Neubrandenburg bisher noch nicht gesehen. Das Entdeckerherz freut sich🙂.
Zwischen 1236 und 1260 als Hofburg der Markgrafen von Brandenburg erbaut ist sie das älteste weltliche Bauwerk in Mecklenburg-Vorpommern und zudem die einzige erhaltene mittelalterliche Höhenburg in Norddeutschland. Um 1500 erste große Umbauten, u.a. für den Einsatz von Pulverwaffen. 1701 endgültig als Befestigungsanlage aufgegeben, in Folge Abriss verschiedener Gebäude.
1726 ist im Krummen Haus der letzte große Mecklenburger Hexenprozess. Bis 1919 fallen das Krumme Haus, drei Scheunen und zwei Stallgebäude Brandstiftungen oder Blitzschlägen zum Opfer.
1946 entsteht eine Landesjugendschule, seit 1963 Jugendherberge. Die zieht 1990 in die Stadt, woraufhin eine umfassende bauhistorische Untersuchung und Sanierung der Burganlage starten kann. 1994 kann der Burgturm wieder als Aussichtsturm frei gegeben werden. Das Krumme Haus hingegen wird noch lange eine Ruine bleiben.
Und weiter nach Neubrandenburg, der Vier-Tore-Stadt mit ca. 60.000 EW und einem Einzugsgebiet von ca. 420.000 EW. Das kreisrunde Stadtzentrum hat den historischen Bezug nach wie vor – allerdings gehören kriegs- und nachkriegsbedingte Veränderungen halt auch dazu. Die mittelalterlichen Wehranlagen bestehen aus einem annähernd kreisrunden, doppelten System aus Erdwällen und Gräben und einer steinernen Mauer, die mit Wiekhäusern besetzt war.
Zum Schutz von Handwerk und Handel erbauen die Bürger in den 1260er Jahren eine hölzerne Befestigungsanlage, die um 1300 schrittweise durch Steinbauten ersetzt wird. Die Befestigungsanlage wird komplexer und komplexer, speziell die Toranlagen entwickeln sich zu wahren Torburgen. Um 1630 besteht die Neubrandenburger Stadtbefestigung aus einem Graben-Wallsystem, einer Stadtmauer, 56 Wiekhäusern (Kampfhäuser), zwei Türmen (Fangel- und Mönchenturm) sowie vier Toranlagen. Wahrlich beeindruckend, im 30jährigen Krieg dann aber auch nicht hilfreich – 1631 erobern die kaiserlichen Truppen unter General Tilly die Stadt.
Immerhin – die Anlagen werden nicht geschliffen und aufgrund begrenzter wirtschaftlicher Entwicklung der Stadt während des 19. Jahrhunderts bleibt die Stadtbefestigung wesentlich erhalten. Dafür entstehen außerhalb des alten Stadtkerns neue Vorstädte, größere Industrieanlagen und moderne Versorgungseinrichtungen. Allerdings auch erst ab 1864, mit dem Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz und einer veränderten Infrastruktur. Im 20. Jhdt. wächst dann die Bevölkerung außerordentlich stark. Zunächst ist in den 30er Jahren der Ausbau von Rüstungsindustrie Motor der Stadtentwicklung, nach dem Krieg die Einstufung als eine der 14 Bezirksstädten der ehemaligen DDR. 1952 ist das.
Die Wiekhäuser dienten einst als Verteidigungspositionen und besaßen in den drei Außenmauern Schießscharten. Zwei neu rekonstruierte Wiekhäuser verweisen auf ihre ursprüngliche Gestalt. Die Kampfhäuser besaßen zur Stadtseite eine Öffnung in Form eines großen Spitzbogens. Zum ersten Geschoss führte eine massive Treppe. Die anderen Etagen waren über Leitern zu erreichen. Die militärische Bedeutung schwindet nach dem 30jährigen Krieg, viele von ihnen werden zu Fachwerkwohnbauten umgebaut. So lässt sich der mittelalterliche Mauerring um die Stadt erhalten und zugleich Wohnraum schaffen für Angehörige unterer sozialer Schichten der Stadtgesellschaft. Aber: ab Ende des 19. Jhdts. geraten viele Wiekhäuser der sogenannten zweiten Generation zunehmend außer Nutzung, verfallen, werden abgerissen oder brechen zusammen.
Ab den 1970er Jahren werden an verschiedenen Stellen neue Wiekhäuser errichtet, die dritte Generation. Die meisten der neuen Wiekhäuser fallen stark überdimensioniert aus. Ihr Raumkonzept ist den Vorgängerbauten nicht einmal grob ähnlich. Historisch an fast allen heutigen Wiekhäusern in der Neubrandenburger Stadtmauer sind deshalb vielfach nur noch ihr Standort und bisweilen Mauerwerksteile in unteren Bereichen. Mehr dazu hier.
Mitten im Stadtzentrum steht weithin sichtbar und stolz die Marienkirche.
Eines der bedeutendsten Werke norddeutscher Backsteingotik hat eine lange und bewegte Geschichte zu erzählen. Über 700 Jahre ist sie schon alt, wurde zerstört und wieder aufgebaut, der letzte Brand, Ende des II. Weltkrieges, hinterließ nur einige Außenmauern und Teile des Turmes. Heute reckt sich der Bau stolz und kraftvoll in den Himmel und rein äußerlich erinnert nichts mehr an diese schweren Tage.
Es war jedoch ein verworrener Weg, gepflastert mit Bemühungen, Entscheidungen, wieder mit neuen Entscheidungen und Ideen, der schließlich zu etwas ganz Besonderem führte – einem der beeindruckendsten Konzertsäle Deutschlands.
Der finnische Architekt Prof. Pekka Salminen integrierte in die altehrwürdige Backsteinhülle einen hochmodernen Konzertsaal und schuf dabei eine wundervolle Symbiose von Altem und Neuem. Quelle
1945 durch Feuer zerstört, seit 1975 bemüht sich die Stadt um einen Wiederaufbau. Bis 1982 erfolgen indes nur Sicherungsmaßnahmen, ein stählerner Dachstuhl wird aufgesetzt. 1983 erhält der Kirchturm eine neue Turmspitze. 1996 dann ein internationaler Architekturwettbewerb für ein Konzerthaus, 66 Architekturbüros beteiligen sich, den Wettbewerb gewinnt der Finne Pekka Salminen. Die denkmalgeschützte historische Kirchenhülle bekommt einen modernen Einbau – einen modernen, offenen, luftigen, lichtdurchfluteten Publikumsbereich und einen modernen, kantigen Treppen-Lift-Bereich. Beide Bereiche heben sich wohltuend von der Backsteinarchitektur ab und gehen gleichzeitig die perfekte Symbiose miteinander ein, ein geniales architektonisches Konzept. Junge und alte Architektur nebeneinander, gleichzeitig und harmonisch vereint – im Miteinander die Bedeutung und Besonderheit der jeweilig anderen Architektur-Kultur betonend. Genial.
Und schon ist Donnerstag. Wir fahren nach Rechlin (ca. 2.000 EW), welches an der Kleinen Müritz liegt, einem mit dem Südteil der Müritz verbundenen Seearm, verschiedentlich wird auch vom Tor zum Müritz-NP gesprochen. Und wenn man ganz genau ist, sind unsere Ziele die Boeker Mühle und anschließend die Boeker Fischteiche.
Und die Fischteiche bringen dann zum Ende raus, nach einer kleinen Wanderung, noch ein wenig Bewegung mit ein paar Möwen, Rheiern und Seeschwalben, bei denen wir uns nicht sicher sind, ob es nun die aggressiven Küstenseeschwalben oder die etwas weniger aggro veranlagten Flussseeschwalben sind. Highlight indes ganz klar die Torf-Mosaikjungfer und der Seeadler.
Ein abschließendes Essen im sehr zu empfehlenden Hotel – auf der Terrasse, der Regen zieht recht großzügig an uns vorbei – und schon ist die Woche rum, so schnell geht’s. Aber wir haben ja noch die Rückfahrt und da steuern wir zunäxt die Serrahner Buchenwälder an. Erste Überraschung ist die Waldeidechse.
Tiefland-Buchenwälder sind weltweit die seltenste Waldgesellschaft im Areal der Buche. Keine wurde durch Rodung und Umwandlung in Nadelforste weiter zurückgedrängt als diese. Die bedeutendsten Reste blieben in der Norddeutschen Tiefebene übrig. Die größten zusammen hängenden Komplexe überlebten als Waldmeister-Buchenwälder auf den Endmoränen der letzten Eiszeit im nördlichen Brandenburg und südlichen Mecklenburg-Vorpommern, 90.000 ha, ein Fünftel bis ein Sechstel der Weltvorkommen. Die Poratzer und Grumsiner Endmoränen und der Choriner Endmoränenbogen bergen mit zusammen 10.000 ha die größten zusammenhängenden Tiefland Buchenwälder der Welt. Ansehnliche Buchenflächen wurden durch das Großschutzgebietprogramm der DDR unmittelbar vor der Wende in den Nationalparks Jasmund und Müritz, aber auch in Kernbereichen der Biosphärenreservate Schorfheide-Chorin, Uckermärkische Seen und Südost-Rügen total geschützt und aus der Nutzung genommen. Quelle
Abschließend das ehemalige Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Sicher ein Kontrast gerade zur Wanderung im schönen Wäldchen, aber gerade der Kontrast ist Teil der Ambivalenzen, gerade auch im Umgang mit dem ehemaligen Konzentrationslager, ich hab da ja seinerzeit meine Magisterarbeit drüber geschrieben.
Unabhängig davon steht das KZ Ravensbrück für ein weitverzweigtes perfides Konzentrationslager- und Vernichtungslagersystem, allein hier wurden 120.000 bis 132.000 Frauen zwanghaft unter unwürdigen Bedingungen inhaftiert, ca. 30.000 überlebten das KZ nicht. Nie wieder ist jetzt!
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Und hier noch paar alte Dias:-)









































