Ein paar Überstunden müssen weg und Neapel bietet sich an für einen Kurztrip. Nicht ganz so weit entfernt ist das Castel del Monte – schon lange, schon ganz lange auf meiner Liste. Nun also ist Zeit. Da Bine zeitgleich mit den Handball-Mädels unterwegs ist, mache ich mich allein auf den Weg.
Der Flug geht über BER, hat bissel Verspätung, aber alles im Rahmen. Die Sonne geht langsam unter, bis ich am Hotel bin, sind vom Vesuv nur noch Schemen zu sehen. Aber es hat ja zuvor für einen wundervollen Panoramablick gereicht.
Während in Deutschland die Sonne aktuell um ca. 21:30 untergeht und sich dabei auch bissel Zeit lässt, ist hier eine Stunde früher Ruhe und so ganz viel Zeit lässt sich die Sonne mit dem Untergehen zwölf Breitengrade südlicher auch nicht. Immer wieder spannend. Braunschweig liegt auf Breitengrad N 52° 16‘, Neapel auf 40° 51‘.
Den Abend lasse ich dann auf der Terrasse des Hotels ausklingen, Pasta und Wein und der Blick auf die Bucht von Neapel – den Vesuv im Hintergrund – sind schon arg entspannend.
Auf geht’s nach Pompeji. Mit dem Bus ne gute Stunde, die erste halbe Stunde geht im Verkehr von Neapel drauf. Absolut chaotische Verhältnisse, im Schritttempo geht es voran. Irgendwann bin ich aber doch da. Und mache mich auf den Weg in den ärchäologischen Park. Zu sehen sind Steine, Steine und Menschen. Nun, das war schon i-wie klar, erwartet hatte ich dennoch bissel was anderes, ohne dass ich jetzt genau sagen kann, was mich stört. Es gibt ja so Situationen …
Is ja auch nicht weiter schlimm, heißt ja nicht, dass es i-wie unspannend gewesen wäre, fehlte mir halt nur der letzte Kick. Und gerade die Schicksale der Gipsfiguren sind ja nun mal untrennbar mit Pompeji verbunden und gleichermaßen spannend wie bewegend.
Während man von den Opfern der ersten Welle heute nur noch einzelne Knochen bergen kann, sieht die Situation der Menschen, die während der zweiten Welle starben, anders aus. „Die Körper dieser Opfer befinden sich noch immer in der gleichen Position wie zum Zeitpunkt des Auftreffens der Glutlawine“, heißt es vonseiten des Archäologischen Parks. Sie starben an einem Thermoschock, eine schnelle, schockartige Veränderung der Temperaturm und wurden unter der Glut begraben. Deshalb blieb die Position der Skelette auch nach der Zersetzung des biologischen Materials erhalten. So konnte man von einigen dieser Opfer Gipsabgüsse anfertigen, die diese im Moment ihres Todes zeigen. Erstellt werden solche Abgüsse in Pompeji bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert.
Einige der eindrucksvollsten Abdrücke stammen aus dem sogenannten Garten der Flüchtenden. An dieser Stelle, in der sogenannten Regio 1, wurden ganze 13 Opfer entdeckt und als Gipsabdruck für die Ewigkeit festgehalten. Unter den Toten sind Kinder und Erwachsene, die offenbar beim Versuch, die Stadt zu verlassen, von der Glutlawine überrascht wurden.
Nicht nur in Pompeji starben Menschen durch den Vulkanausbruch. Die aktuellsten Gipsabgüsse stammen aus der Citiva Giuliana, einem Ort nahe Pompeji. Dort haben Forschende eine Villa ausgegraben und dabei Abdrücke dieser beiden Männer erstellt. Sie wurden in einem Raum des Hauses von der Glut überrascht.
Hergestellt werden die Gipsabdrücke direkt vor Ort, sobald ein Skelett entdeckt wird. […]
Um die Toten in genau der Position zu erhalten, in der sie starben, wird das Erdreich um das Skelett herum mit dem Gips aufgegossen – so entsteht am Ende der Abguss, den die Forschenden aus dem Gipsbrocken herauslösen können.
Die Forschenden erstellen diese Abgüsse vor allem, um die Geschichte der Menschen möglichst eindrücklich darzustellen. „Es ist unmöglich, diese entstellten Gestalten zu sehen und nicht bewegt zu sein. Sie sind seit achtzehn Jahrhunderten tot, aber es sind menschliche Wesen, die man in ihrem Todeskampf sieht. Das ist keine Kunst, keine Nachahmung; es sind ihre Knochen, die Reste ihres Fleisches und ihrer Kleidung, die mit Gips vermischt sind, es ist der Schmerz des Todes, der Körper und Form annimmt“, schreibt der italienische Schriftsteller Luigi Settembrini dazu in einem Brief im Jahr 1863, nachdem er einige der Abgüsse besichtigt hatte. Quelle
Im 8. Jhdt. v. Chr. wird Pompeji gegründet. Griechische, etruskische, samnitische Einflüsse prägen die Stadt, später steht sie unter römischen Einfluss. 79 n. Chr. leben hier ca. 12.000 bis 20.000 Einwohner. Bis der Vesuv ausbricht und die Stadt unter einer meterdicken Schicht aus Asche und Bimsstein begräbt. Pompeji gerät in Vergessenheit. Erst 1599 wird die Stadt während Grabungsarbeiten für einen Kanal wieder entdeckt, aber erst ab dem 18. Jahrhundert wird mit systematischen Ausgrabungen begonnen.
Über die Jahrhunderte bleiben die Ruinen unter der Asche nahezu perfekt konserviert und geben so tiefe Einblicke in den Alltag der Römer. Villen, Tempel, Straßen, Bäckereien, Wandmalereien und nicht zuletzt von Asche überrollte Menschen und Tiere wurden und werden freigelegt.
Am näxten Tag gilt es abzuwägen, ob nun Vesuv oder Napoli. Nach der Erfahrung mit Pompeji weiß ich, dass das gut Zeit in Anspruch nehmen wird, zum Vesuv zu gelangen. Irgendwie ist er auch etwas wolkenverhangen und es ist diesig, ich entscheide mich, zu Fuß die Highlights von Napoli zu erkunden.
Ich starte am Hotel mit überragendem Panoramablick, von dort zieht es mich zum Hafenboulevard. Auf der Promenade hab ich das ganze Panorama von Neapel unter meinen Füßen und bei der Richtung, die ich eingeschlagen habe, beständig den Vesuv vor Augen.
Über den die Piazza del Plebiscito mit dem Palazzo Reale di Napoli gen Galeria Umberto I von 1890, gut 30 Jahre nach der Mailänder Galleria Vittorio Emanuele II entstanden. Basilika Santa Chiara kann mit guter Lage und hübsch bemalten Kacheln punkten und vom Castel Sant’Elmo hat man noch einen anderen Panoblick auf Neapel, der den vom Hotel angenehm ergänzt.
Die Via dos Dios darf bei einem Neapel-Besuch natürlich nicht fehlen. Gerade auch hier zeigen sich die engen Gassen der Altstadt in Reinkultur. Die Gassen mit den Wäscheleinen über die Straße, die Gassen der einfachen Leute, die Gassen mit dem pulsierenden Leben.
Und gerade hier wird Maradona verehrt wie ein Heiliger, an jeder Ecke Erinnerungen, Bilder, Wandgemälde. Folklore? Nicht nur. Pseudoreligion? Ebenfalls nicht nur. Realitätsverklärung? Keineswegs.
Es gibt nicht nur den einen Grund für diese Verehrung, da spielt so viel rein, mit ihm ist Napoli überhaupt erst Meister geworden, bis dahin schien es unmöglich, dass eine Mannschaft aus dem Süden den Scudetto gewinnt, zu übermächtig schien der wirtschaftlich stärkere Norden mit Juventus, Inter und AC Mailand.
Dieses Nord-Süd-Thema bezieht sich ja nicht nur auf den Fußball, noch heute wird der Süden Italien eher belächelt und als Armenhaus Italiens abgetan. Die Bedeutung der Meisterschaft kann daher nicht hoch genug bewertet werden. Fürs kollektive Selbstwertgefühl, für das Gefühl, denen da oben es gezeigt zu haben, für den Stolz auf die eigene Stadt und Region. Und letztlich war er immer i-wie der Mann von der Straße, mit dem man sich identifiziert hat und immer noch identifiziert. Trotz aller Widersprüchlichkeiten. Oder genau deswegen? Das lebt bis heute.
Wie viele hier mit nem Maradona-Trikot rumlaufen. Oder zumindest im Napoli-Trikot, aber mit der 10😘
Maradona, Diego Armando Maradona, wird am 30. Oktober 1960 in Lanùs, einer Vorstadt von Buenos Aires, geboren. Sein Pa ist indigener Herkunft, seine Ma hat italienische Vorfahren, beide gehören der armen, sozial benachteiligten Bevölkerungsschicht an, die man abfällig als „Cabecitas negras“ (Schwarzköpfchen) bezeichnet. Zusammen mit sieben Geschwistern wächst Diego in einer Favela ohne Strom oder fließendes Wasser auf.
Aufgewachsen im Armenviertel kommt er in das Armenhaus Italiens.
Für die Menschen in Neapel ist Diego mehr als ein Fußballspieler und aufgrund seiner Herkunft hat er wenig Mühe, sich mit den Neapolitanern zu identifizieren und deren Zuneigung zu erwidern. Neapel verbindet mit Maradona die Hoffnung, endlich den erfolgreicheren Vereinen aus dem Norden ein wenig Paroli bieten zu können.
Neapel und Kampanien gehören zu den strukturschwächsten Gebieten Westeuropas. Jugendarbeitslosigkeit, Armut, Schwarzarbeit prägen das Leben. In der Region sind über 40 % der Bevölkerung von Armut betroffen. Bei derartig benachteiligter Infrastruktur sind Mafia und Kriminalität nicht weit. Trotz der Probleme: Neapel ist eine spannende Metropole mit einer lebendigen Zivilgesellschaft mit reichem kulturellen Erbe. Hier noch mehr
Noch bissel was zu der Bedeutung, zum Mythos Maradona:
• Seit 2000 vergibt die SSC Neapel Maradonas Trikotnummer „10“ zu seinen Ehren nicht mehr.
• 2004 wird das Stadion der Argentinos Juniors Buenos Aires in Estadio Diego Armando Maradona umbenannt.
• Am 5. Juli 2017 wird Maradona zum Ehrenbürger von Neapel ernannt, exakt 33 Jahre nach seiner Präsentation als Spieler der SSC Neapel.
• Am 4. Dezember 2020 wird das Stadion der SSC Neapel in Stadio Diego Armando Maradona umbenannt.
«Die Zeit vergeht, aber Maradona bleibt»
Diego Armando Maradona und Neapel, das war auch eine politische, kulturelle, quasireligiöse Erfahrung. […]
«Maradona packte diese Stadt auf seine Schultern wie ein politischer Anführer», sagt Massimiliano Gallo, der Gründer und Chefredaktor der Onlinezeitung «Il Napolista», die Fussball und Politik mischt. Der Argentinier kam aus armen Verhältnissen, sieben Geschwister teilten ein Zimmer. «Arm, aber genial, so sehen sich die Neapolitaner auch.» Mit seinem Hang zu Exzessen, seinem prallen Herzen, mit allen Widersprüchen passte Maradona gut nach Neapel.
«Er war ein Linkspopulist vor der Zeit, eine revolutionäre Figur auch jenseits des Sports», sagt Gallo. Er vergleicht ihn mit Muhammad Ali. Politik mit anderen Mitteln. Maradona wehrte sich gegen den Kapitalismus im Fussball, gegen mächtige Clubpräsidenten und hohe Funktionäre im Weltverband. Der Fussball sollte dem Volk gehören, nur ihm. Darin war er stur, ein Kämpfer. […]
«Ho visto Maradona», ich habe Maradona gesehen, wurde zum triumphalen Mantra. Sie singen es noch heute im Chor, als wäre ihnen der Messias erschienen. Für viele war diese Möglichkeit, Maradona zu sehen, jeden zweiten Sonntag im San Paolo, die einzige Extravaganz ihres Alltags, ihr ganzer Reichtum.
«Die Zeit vergeht, aber er bleibt», sagt der Barmann in der Bar Nilo an der «Spaccanapoli», der Strasse, die das dichte historische Zentrum wie eine lange, gerade Furche durchzieht. Das Lokal ist ein Schrein, eine einzige Hommage an Maradona. An der Wand rechts neben dem Eingang hängt ein reich verzierter Altar, mit Marienbildchen und Fotos. Das beste Stück ist eine Locke Maradonas, sie ist eingerahmt. «Er war alles», sagt der Barista. Quelle
Zeit für einen Neapel-Break.
Mit dem Marinobus fahre ich einmal quer durchs südliche Italien, von Westküste zu Ostküste sozusagen. In der Nähe von Bari ist das Castel del Monte. Das habe ich lose auf der Liste seit? Ja seit wann eigentlich?
Eigentlich i-wie seit ich Umberto Ecos Meisterwerk „Der Name der Rose“ gelesen und später den kongenialen Film mit Sean Connery gesehen habe. Zwei Meisterwerke und i-wie sehe ich in in dem großartigen Sean Connery immer ein bisschen was von Umberto Eco, dem genialen Zeichentheoretiker und Philosophen. Doch lest selbst:
Umberto Eco: Der Name der Rose
„Als wir den steilen Pfad erklommen, der sich die Hänge hinaufwand, sah ich zum ersten Mal die Abtei. Nicht ihre Mauern überraschten mich, sie glichen den anderen, die ich allerorten in der christlichen Welt gesehen, sondern die Massigkeit dessen, was sich später als das Aedificium herausstellen sollte. Es war ein achteckiger Bau, der aus der Ferne zunächst wie ein Viereck aussah (die höchstvollendete Form, Ausdruck der Beständigkeit und Uneinnehmbarkeit der Stadt Gottes). Seine Südflanke ragte hoch über das Plateau der Abtei, während die Nordmauern unmittelbar aus dem Berghang zu wachsen schienen gleich schräg im Fels verwurzelten Bäumen. Von unten gesehen schien es geradezu, als verlängerte sich der Felsen zum Himmel, um in einer gewissen Höhe, ohne sichtbaren Wandel in Färbung und Stoff, zum mächtigen Turm zu werden – ein Werk von Riesenhand, geschaffen in größter Vertrautheit mit Himmel und Erde. Drei Fensterreihen skandierten den Tripelrhythmus des Aufbaus, dergestalt dass, was physisch als Quadrat auf der Erde stand, sich spirituell als Dreieck zum Himmel erhob. Beim Näherkommen sahen wir dann, dass aus der quadratischen Grundform an jeder ihrer vier Ecken ein siebeneckiger Turm hervorsprang, der jeweils fünf Seiten nach außen kehrte, sodass mithin vier der acht Seiten des größeren Achtecks in vier kleinere Siebenecke mündeten, die sich nach außen als Fünfecke darstellten. Niemandem wird die herrliche Eintracht so vieler heiliger Zahlen entgehen, deren jede einen erhabenen geistigen Sinn offenbart: acht die Zahl der Vollendung jedes Vierecks, vier die der Evangelien, fünf die der Weltzonen, sieben die der Gaben des Heiligen Geistes. Nach Umfang und Form erschien mir der Bau nicht unähnlich jenen gewaltigen Burgen, die ich später im Süden der italienischen Halbinsel sah, Castel Ursino oder auch Castel del Monte, aber dank seiner uneinnehmbaren Lage wirkte er düsterer noch als jene und war sehr wohl dazu angetan, den Wanderer, der sich ihm nahte, erschauern zu lassen. Dabei konnte ich noch von Glück sagen, dass ich ihn erstmals an einem klaren Herbstmorgen erblickte und nicht etwa an einem stürmischen Wintertag.“
Quelle: Umberto Eco. Der Name der Rose. München Wien 1982. S. 31f.
Auch wenn das Castel in Buch und Film künstlerisch ge- und überformt sind, sind die Anleihen doch unübersehbar und klar und eindeutig. Weithin sichtbar erhebt sich der markante Bau auf einem kleinen Hügel aus der Ebene. Die Vorfreude steigt. Von meiner kleinen Unterkunft mache ich mich umgehend auf den Weg, einen kurzen, knackigen Anstieg später stehe ich vor den sandsteinfarbenen Mauern. Und zähle unwillkürlich die Ecken, bewundere den symmetrisch-klaren Bau.
Die Sonne zeichnet Schatten, ich freue mich bereits auf morgen, denn dann geht’s rein und vor allem zeichnet die Sonne dann die Schatten genau von der anderen Seite. Heute habe ich nach langem Sitzen im Bus noch eine kleine Wanderung durch den Murgia NP vor. Wird unfreiwillig etwas länger als gedacht, einige Wege sind schlicht so überwuchert, dass kein Durchkommen ist. Also bissel Umweg. Der führt mich vorbei an merkwürdigen Steinhaufen. Zu regelmäßig sind sie, zu oft sind sie hier in der Gegend verstreut, um zufällig hier zu sein.
Sehr wahrscheinlich ist, dass hier hier schlicht die Steine aufgestapelt worden sind, die in der kargen, felsigen Hochebene der Murgia mühevoll beseitigt wurden, um Weide- oder Ackerflächen zu schaffen. Und um Material zu haben, vorrätig zu haben für Trockenmauern zum Abgrenzen von Feldern und Tierunterständen. Zuweilen lassen sich kleine Mauerabschnitte finden, die parallel zueinander sind. Die sollen dann den Fluss des Regenwassers verlangsamen und Bodenerosion vermeiden. Regen ist hier zwar selten, wenn dann aber durchaus mal sintflutartig. Mehr dazu
Im Montegusto lass ich es mir anschließend gutgehen, die Küche ist hervorragend, der Il Falcone Riserva passt bestens zum Castel del Monte. Es ist nicht ganz klar, was genau Friedrich II. hier so angestellt hat, aber dass er der sich intensiv mit der Falknerei beschäftigt hat, ist nachgewiesen. Ob auch in der Region?
Am nächsten Tag veredele ich meinen Aufstieg von gestern, ich war ja erst da, als das Castle schon geschlossen ist. Heute dafür um 10 rein und damit auch rein in die pralle und in Teilen auch rätselhafte Geschichte des Castels. Und rein in die pralle Symbolikinterpretation. Die sich mehrfach wiederholende oktagonale Struktur ist harmonisch und schön und steht als Übergang zwischen Quadrat für das irdene und einem Kreis für das göttlich-himmlische Leben und in dieser Vollendung für architektonsche Vollkommenheit. Darüber hinaus steht die Acht in der christlichen Zahlenmystik für den ‚achten Tag’, für den Tag nach der Schöpfung. Überreiche krass-spannende Zahlenmystik.
Acht Kanten außen, acht Kanten innen, acht achteckige Türme, im Innern acht Räume. Damit nicht genug sind die Schattenwürfe hochspannend. Sie folgen einer exakten astronomischen Geometrie. Durch die präzise Ausrichtung der achteckigen Anlage auf die Himmelsrichtungen und den Sonnenstand kann man sich das Castel als gigantische Sonnenuhr vorstellen, der Schattenverlauf im zentralen Innenhof zeigt den Wechsel der Jahreszeiten an, das Sonnenlicht zu den Tag- und Nachtgleichen fällt durch die oberen Fenster. Der Strahl durchquert den Saal, tritt auf der gegenüberliegenden Seite wieder in den Hof aus und beleuchtet dort exakt eine rechteckige Vertiefung an der Wand.
So treffen sich hier eben reales Mittelalter mit Friedrich II., fiktionales Mittelalter mit Umberto Eco und ganz viele Zeichen, Symbole, Deutungen und Bedeutungen. Ein Fest für den Zeichentheoretiker, fast meine ich zu spüren, wie Eco hier seinen William von Baskervile auf die Zeichensuche geschickt hat.
Und es geht um weit weit mehr als um Zeichen im Namen der Rose. Anmerkungen zur Nachschrift zum ‚Namen der Rose‘.
Castel del Monte
Im Auftrag vom Staufer Friedrich II. erbaut von 1240 – 1250, Friedrich II. ist seinerzeit Herrscher über Apulien und Sizilien.
1194-1250 lebt Friedrich. Ihm gelingt die Vereinigung das Nord- und Südreiches, die Einigung Italiens wenn man so will. 1224 läßt er die Universität Neapel gründen, Ziel ist u.a. eine Stärkung der territoriale Verwaltung und Gesetzgebung im Süden. Zudem beendet er die arabische Besiedlung Siziliens und kann so die Insel in den westlich-abendländischen Kulturraum eingliedern. Nach seiner Kaiserkrönung 1220 hält er sich vorwiegend in den südlichen Regionen auf, in den 30 Jahren bis zu seinem Tod 1250 geht der Aus- oder Neubau von 287 Bauwerken auf ihn zurück.
U.a. eben auch das Castel del Monte, bei dem aber nach wie vor unklar ist, ob und wie Friedrich dies genutzt habe: Jagdschloss? – Wehrbau? – Repräsentationsbau? – Lieblingssitz des Kaisers? Alles ist möglich – zweifelsfrei belegt hingegen ist keine der Nutzungen. Belegt hingegen ist eine intensive Förderung der Dichtung und Wissenschaft. Und seine Vorliebe für die Falknerei, er verfasst z.B. De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“), lange Zeit ein Standardwerk und mit Auswirkungen auf die neuzeitliche Falknerei.
Abends bin ich für eine letzte Nacht wieder in Neapel, die Bude spannend sagen wir mal, aber ich komme von dort direkt zum Flughafen, das ist auch ein Vorteil. Etwas zu Essen besorge ich mir an der lebendigen Piazzetta Orientale, direkt an der Cappella Pappacoda wird gerade ein farbenfrohes, lebendig-lautes Fest gefeiert, sehr gelungen zum Abschluss des Kurztrips.




































