Berlin – 03. – 05. Januar 2026

Paar Tage gemeinsam nach Berlin inklusive Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny in der Komischen Oper, das ist ist Bines und mein Ziel. Ungewöhnlich schneereich und sehr spannend wird es. Ein sehr schöner Kurztrip zum Jahresauftakt.

Wenig eigener Text diesmal, dafür sehr viele Zitate, aber die Infos zu unseren Punkten Teufelsberg, Schloss Charlottenburg, Komischer Oper und Weißer Stadt sind auf den zitierten Seiten einfach perfekt zusammengefasst. Zu der Tour gehört auch ein leckeres Essen im Saperavi mit Amira. Was die sich allerdings bei der Vergabe des Tisches neben dem Eingang gedacht haben?

Wir reisen am Samstag an und steuern als erstes den Teufelsberg mit seiner wechselvollen Geschichte an. Ein Lost Places mit Vergangenheit, Gegenwart und vlt. auch Zukunft? Egal wie, faszinierender Ort.

27.11.1937 – Wehrtechnische Fakultät

Adolf Hitler legt zwischen Heerstraße und Teufelssee den Grundstein für ein Gebäude, das die nächsten 1000 Jahre stehen sollte: Die „Wehrtechnische Fakultät“ der Technischen Hochschule Berlin. – Hier sollen Ingenieure für Rüstung und Krieg forschen. Nach der Grundsteinlegung werden die Bauarbeiten forciert und so entsteht relativ schnell der Rohbau des Kopfgebäudes mit seinen vier Ecktürmen.

Februar 1040 – Einstellung sämtlicher „kriegsunwichtiger“ Bauten

Reichsmarschall Hermann Göring verfügt die Einstellung sämtlicher „kriegsunwichtiger“ Bauten, darunter auch die Arbeiten an der „Wehrtechnischen Fakultät“. So bleiben die Gebäude im Rohbau und erwarten ihre Fertigstellung nach dem „Endsieg“. Das „Denkmal deutscher Kraft“ soll jedoch keine einzige Lehrveranstaltung erleben.

1946 – Der zerstörte Rohbau als stabiles Fundament

Der Krieg ist zu Ende, Berlin liegt in Trümmern. Auf der Suche nach einem geeigneten Schuttablageplatz, entscheidet sich der Senat für den Grunewald und den kaum zerstörten Rohbau der „Wehrtechnischen Fakultät“ als stabiles Fundament, für die Aufschüttung. – Die Geburtsstunde des Teufelsberges.

1950 – Aufschüttung des Teufelsberges

Die Aufschüttung des Teufelsberges beginnt. Ab sofort befahren täglich 800 Lastzüge, beladen mit 7000 Tonnen Schutt den Teufelsberg und türmen so in den folgenden 22 Jahren, 26 Millionen Kubikmeter im Grunewald auf. Ab 1952 beginnt man auch damit, den Teufelsberg zu bepflanzen. Zum Einsatz kommen 480.000 Bäume und 40.000 Sträucher.

1961 – 1963 – Die amerikanische Besatzungsmacht erhält die Kontrolle über den Berg

Amerikaner und Briten handeln eine Regelung zur militärischen Nutzung des Teufelsberges aus. – Die amerikanische Besatzungsmacht erhält die Kontrolle über den Berg, die britischen Streitkräfte dürfen den Ort mitnutzen.

1969 – 1971 – Bau der Radarstation Teufelsberg

Die Amerikaner bauen einen permanenten Gebäudekomplex, aus dem sie ab 1972 rund um die Uhr die Abhörtätigkeit durchführen – die Radarstation Teufelsberg. – Für die nächsten 20 Jahre wird dieser Gebäudekomplex mit seinen Antennen von amerikanischen und britischen Geheimdiensten für Ihre Aufklärungsarbeit genutzt. In dieser Zeit arbeiten ca. 1500 Personen auf dem Gelände.

1971 – 1992 – Aktiver Betrieb der Abhörstation Teufelsberg

Der Teufelsberg wird zu einem der wichtigsten Standorte der US-amerikanischen National Security Agency (NSA) außerhalb der Vereinigten Staaten. Die Anlage überwacht den sowjetischen und ostblockorientierten Kommunikationsverkehr und sammelt wichtige Informationen über die Aktivitäten der Warschauer Pakt-Länder

1992 – Der Betrieb der Abhörstation auf dem Teufelsberg wird eingestellt

Mit dem Ende des Kalten Krieges und dem Fortschritt in der Satellitenkommunikation werden die traditionellen Methoden der Abhörung, die in der Teufelsberg-Station verwendet wurden, zunehmend obsolet. Die Einrichtung wird nicht mehr als notwendig erachtet und schließlich außer Betrieb genommen

1992 – 1996 – Entstehung kreativer Aktivitäten auf dem Gelände

Das Gelände der alten Abhörstation liegt nach der Schließung brach. In dieser Zeit ziehen verschiedene Initiativen und Gruppen vorübergehend in die verlassenen Gebäude ein, darunter Künstler*innen, alternative Kulturprojekte und Graffiti-Künstler_innen. Die Gebäude werden zu einem Treffpunkt für die alternative Szene Berlins und es entstehen viele kreative Aktivitäten auf dem Gelände.

1996 – Kauf der Liegenschaft durch Investorengruppe

Eine Investorengruppe kauft die Liegenschaft für 5.2 Mio DM mit dem Ziel, Luxusapartments und ein Hotel mit Tagungsräumen zu bauen. Sie erhalten die Baugenehmigung und beginnen mit den Arbeiten.

1996 – 2000 – Scheitern der kommerziellen Verwendung

Aufgrund von Genehmigungsproblemen und Widerstand seitens der Anwohner*innen und Aktivist*innen scheitert die Umsetzung der geplanten Entwicklung des Teufelsberges. – Man unternimmt nun mehrere Versuche, das Gelände zu verkaufen und auch die Gebäude abzureißen. In beiden Fällen ohne Erfolg. Währenddessen nimmt das Interesse von Künstler*innen am Teufelsberg stetig zu und es entstehen zahlreiche Street Art Werke auf den still gelegten Gebäuden.

2000 – heute – Erlöschen der Baugenehmigung, Förderung der Kunst und Erhalt der Gebäude als wichtiges Denkmal des kalten Krieges

2004 erlischt die 1996 erteilte Baugenehmigung. Der Teufelsberg wird somit für viele Investitionsprojekte uninteressant und entwickelt sich immer weiter zu einem Ankerpunkt der Street Art Szene. Am 30.Oktober 2018 wird der Teufelsberg vom Landesdenkmalamt Berlin unter Denkmalschutz gestellt. – Das Gelände wird fortan als Galerie für Street Art betrieben. Die Fläche ist heute kuratiert und in den letzten Jahren haben sich viele namhafte Künstler*innen die Dose auf dem Teufelsberg verewigt. Der Fokus liegt auch weiterhin in der Förderung der Kunst und dem Erhalt der Gebäude als wichtiges Denkmal des kalten Krieges. Quelle

Anschließend Check In und oben erwähntes Essen im Saperavi, die georgische Küche ist einfach richtig richtig gut. Der nächste Morgen ist sonnig und lädt dazu ein, lange an der frischen Luft zu verweilen und so nehmen wir das Schloss Charlottenburg auf den Plan, eine halbe Stunde vom Hotel entfernt. Richtige Entscheidung. Im Park schwimmen uns Mandarinenten vor die Füße, grandios.

Schloss Charlottenburg ist – mit dem Alten Schloss und dem Neuen Flügel – die größte und bedeutendste Schlossanlage der einstigen brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Könige und deutschen Kaiser in Berlin. Sie gehörte zu den Lieblingsorten von sieben Generationen Hohenzollernherrscher, die einzelne Räume und Gartenpartien immer wieder verändern und prachtvoll ausstatten ließen.

Heute lässt sich hier der wechselnde Geschmack ihrer zahlreichen Bewohnerinnen und Bewohner und die sich verändernden Anforderungen an die zeremonielle und private Nutzung vom Barock bis zum frühen 20. Jahrhundert nachvollziehen. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg weitgehend wiederhergestellt und ausgestattet, ist die ehemalige Sommerresidenz eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der deutschen Bundeshauptstadt.

Das Schloss bietet neben einer Einführung in die Dynastie der Hohenzollern originalgetreu eingerichtete Räume und Säle, beeindruckende Zimmerfluchten und hochkarätige Kunstsammlungen mit herausragenden Meisterwerken. Das Porzellankabinett, die Schlosskapelle und das Schlafzimmer Friedrichs I. zählen zu den Höhepunkten der prachtvollen barocken Paradeappartements im turmbekrönten, um 1700 entstandenen Alten Schloss. Errichtet wurde dieser zentrale Bau der großen Schlossanlage im Auftrag der geistreichen und kunstsinnigen Königin Sophie Charlotte und ihres Ehemanns Friedrich I. Quelle

Den großen Auftritt in der Geschichte der Bundesrepublik hat das Schloss am 2. Juni 1967

Der 2. Juni 1967 ist ein Schlüsseltag der alten Bundesrepublik. Der Schah des Iran, Mohammad Reza Pahlavi, und seine Gemahlin Farah Diba sind in Berlin. Es ist ein umstrittener Staatsbesuch. Der Berliner Senat empfängt die Gäste in Schloss Charlottenburg. Heinrich Albertz, der Regierende Bürgermeister, begrüßt sie im Unteren Ovalen Saal des Schlosses. Noch ist alles ruhig auf den Straßen, obgleich sich vor dem Schloss schon knapp tausend Schaulustige versammeln, darunter 200 Gegner des autoritären Schah-Regimes. Nur vereinzelt kommt es zu kleineren Rangeleien.

Im Anschluss an den Empfang will das Herrscherpaar in der nahe gelegenen Deutschen Oper die Aufführung von Mozarts »Zauberflöte« besuchen. Um 19:45 Uhr eskaliert dort die Situation. Rund 3.000 Menschen sind vor dem Opernhaus versammelt, darunter nun mehrere hundert Gegner des Schahs. Gegen sie gehen die Polizei und mit Latten bewaffnete »Jubelperser« vor, Agenten des Schahs, die auf die Demonstranten einprügeln. Von der Polizei verfolgt, wird der Student Benno Ohnesorg in einen Innenhof in der Krummen Straße abgedrängt und von dem Polizisten Karl Heinz Kurras aus kurzer Distanz erschossen. Später stellt sich heraus, dass Kurras Mitarbeiter des Staatssicherheitsdienstes der Deutschen Demokratischen Republik (Stasi) ist. Es ist die Initialzündung einer Radikalisierung der Studentenbewegung, die zur gesellschaftspolitischen Umwälzung der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft führt. Quelle

Abends haben wir die Komische Oper auf dem Zettel mit Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny. Brecht at ist finest sozusagen. Ich bin ein großer Brecht-Fan, so lag die Oper sehr nahe, zumal lange keine Inszenierung in der Nähe auf den Spielplänen zu sehen war. Wir sehen eine radikal gute Inszenierung.

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny gilt als eines der radikalsten Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts, mit dem es Librettist Bertolt Brecht und Komponist Kurt Weill nicht nur gelingt, die Fallstricke gesellschaftlichen Zusammenlebens aufzuzeigen, sondern auch die Gattung der Oper selbst zu hinterfragen. Musikalisch schlägt Kurt Weill dabei eine Brücke zwischen Unterhaltungsmusik der Zeit und Operntradition. In der Inszenierung von Barrie Kosky wird die Stadt Mahagonny zu einem Kaleidoskop menschlicher Unzulänglichkeit.

Mitten in der Wüste gründen drei flüchtige Verbrecher die Stadt Mahagonny. In der »Paradiesstadt« soll nach eigenen Regeln gelebt werden – finanziert durch vorbeiziehende Männer von der Goldküste. Fressen, Lieben, Boxen, Saufen stehen auf der Tagesordnung. Doch die idyllische Utopie gerät bald ins Wanken: Naturkatastrophen, Exzesse, Gewalt und Korruption bringen das Projekt an seine Grenzen. Quelle

Vor der Heimfahrt noch ein Highlight der Architektur-Moderne:

Die Weiße Stadt im Berliner Ortsteil Reinickendorf ist eine der sechs Siedlungen der Berliner Moderne. Entworfen und gebaut wurde sie Ende der 1920er-Jahre von den Architekten Otto Rudolf Salvisberg, Bruno Ahrends und Wilhelm Büning. Sie gilt als eine Ikone des Siedlungsbaus zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts.

„Weiß ist nicht nur die Abwesenheit von Farbe, es ist eine scheinende und verstärkende Farbe, so wild wie Rot, so entschlossen wie Schwarz“, schrieb der englische Schriftsteller Gilbert Keith Chesterton einst. Auch wenn sein Zitat sich nicht auf die Weiße Stadt bezog, so beschreibt es doch treffgenau die einzigartige Siedlung. Tatsächlich ist es das Weiß, das hier – an der Aroser Allee – sofort auffällt. So rein und so klar wie die Formenführung und die schnörkellosen Fassaden. Dazu kommen das Brückenhaus, das sich über die Straße spannt, und die beiden Turmhäuser. Den Architekten ist es mit dieser Siedlung gelungen, einen Meilenstein der Architekturgeschichte zu schaffen. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Großsiedlung seit 2008 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Ein Jahr später begann die Deutsche Wohnen mit umfassenden Arbeiten zur nachhaltigen Sanierung und Instandsetzung der Dächer, Fassaden, Treppenhäuser, Laubengänge und Balkone. Zudem wurden die Grün- und Hofflächen nach gartendenkmalpflegerischen Grundsätzen umgestaltet und wiederhergestellt. Seit 2012 versorgt ein umweltfreundliches Blockheizkraftwerk die Siedlung mit Wärme und Warmwasser und hat dabei die Primärenergiebilanz der Wohnanlage entscheidend verbessert.

Was in den 1920er-Jahren neu, ja geradezu revolutionär war, ist bis heute beliebt. Von den 1.268 Wohnungen steht nur selten eine leer. Quelle

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