SLOWENIEN – 03. – 12. Oktober 2025

Westermann-BB-Urlaub 2025. Nach ein paar Diskussionen steht das neue Ziel: Slowenien. Charme des Zieles ist, dass es durchaus mit dem Auto erreichbar ist. Der Ritt nach Maribor hat denn doch 1.000 km, aber eben relativ entspannt mit dem Auto machbar. Unterwegs in Würzburg sammeln wir Eva ein, alles läuft bestens.

Wir kommen im Guest House Pohorska Kavarna an, zuvor haben wir uns im Spar direkt an der Drau eingedeckt und können so in der coolen Wohnung einen leckeren Tagesabschluss genießen.

Zu wenig Bewegung gestern – mehr Bewegung heute, so der Plan. So laufen wir den kurzen Weg zur Talstation des Mariborsko Pohorje (1.042 m). Bequem kommen wir oben an, um anschließend eine kleine Wanderung zu starten. Ganz pittoresk die Kirche am Anfang und Ende der Wanderung.

Ein netter Auftakt, der natürlich nach mehr ruft, wir wollen noch in die Innenstadt, doch zunächst verweilen wir bei den Schwänen am Ufer der Drau. Die Brücken haben Potential, sehr beeindruckend.

Die Glavni Most, die alte Brücke ist von 1913, feines Ding, nebendran die Fußgängerbrücke Splavarska brv (Flößersteg) von 2023 in feiner Holzverkleidung. Und dann ist da noch die Železniški Most (Eisenbahnbrücke), bei der i-wie nicht so leicht herauszubekommen ist, von wann die ist, allerdings ist sie auf einer Karte von 1905 zu sehen, was ganz gut hinkommen kann.

Die City selbst ist dann hübsch, aber eben nicht wahnsinnig aufregend, die Führung im Vinag-Weinkeller gegenüber der Burg allerdings schon ziemlich cool. Insbesondere die Weine, die es im Anschluss gibt.

Es soll einer der größten und ältesten Weinkeller Europas sein hier in Maribor. Über drei Kilometer lang die Tunnel in der Gesamtheit, der älteste Teil des Kellers von 1847 hat 15.000 qm, was einer ausgedehnten Parkanlage entspricht. Holzfässer, Betontanks, Flaschen, alles mit der Patina alter Lager, alter Keller, alter Weinflaschen – all das ist hier und fasziniert und beeindruckt und bezaubert mit einer eigenen Ästhetik.

Ein weiteres begeisterndes Frühstück im Hotel beendet den kurzen Aufenthalt in Maribor. Das Café Pohorska Kavarna hat sich eine Bekanntheit erarbeitet, die Torten, die Kuchen, die Croissants sind vom Allerfeinsten und vor allem von einer Vielfalt, die ihresgleichen sucht. Das Frühstück steht dem in nichts nach. Highlight die Pistanzeintorte und die Pistaziencroissants. Es ist keine Überraschung, dass das Café regelmäßige Besucher aus Lubljana hat. Und das ist 2,5 h entfernt.

Zu eben diesem Lubljana brechen wir nun auf. Bei enervierendem Regen. Haben wir zwar erwartet, diverse Apps geben da ja bereitwillig Auskunft, aber schön is halt nich.

Wir fahren zur Tropfsteinhöhle Jama Pekel. Und siehe da, hier ist der Regen gar nicht so heftig, der kurze Weg zur Höhle entlang des Baches hält unerwartet noch ein Highlight vor der Höhle bereit, der Lurchi sucht sich genau dann seinen Weg als wir da sind. Wunderschön.

Seinen Namen verdankt der Feuersalamander dem menschlichen Aberglaube, er könne Feuer löschen. Insbesondere sein giftiges Hautsekret sei in der Lage Brände zu löschen, so glaubten die Menschen zu frühereren Zeiten. Leider bedeutete dieser Irrglaube für viele Tiere den Tod, da sie teilweise in großer Zahl ins Feuer geworfen wurden. Brände gelöscht hat das natürlich nicht.

Das Image des Feuersalamanders war darüber hinaus in den vergangenen Jahrhunderten negativ konotiert, da man glaubte sein Hautgift könne Früchte vergiften und Menschen umbringen, die davon essen.

Fakt ist, das Hautgift der Salamander, das sogenannte Salamandrin, kann beim Menschen ein leichtes Brennen bei Hautkontakt auslösen. Wesentlich heftiger sind die Auswirkungen beim Kontakt mit Schleimhäuten. Verspritzt der Feuersalamander sein Hautgift, dann fühlt er sich bedroht.

Wenn man einen Feuersalamander findet, lässt man einfach die Finger von dem Tier und genießt den Anblick. Quelle

Die Höhle darf, auch wenn keineswegs unspannend, im Gegenteil, als recht klein gelten. Sie ist kaum bekannt, aktuell sind wir die einzigen Besucher. Bekommen dafür aber eine Privatführung mit der einen oder anderen Fotogelegenheit inkl. Fledermaus. Ein überraschend cooler Zwischenstopp.

Anschließend hat sich der Dauerregen gelegt. Da wir die Burg Velenje noch in den Blick genommen haben so direkt um die Ecke, ist das natürlich sehr von Vorteil. Spektakulär ist die Burg nicht, die Lage ist okay, ähnlich interessant ist die Skisprungschanze nebendran.

Ob Tito als ebenso spannend beschrieben werden kann? Für den Moment sicherlich nicht, das Interesse unserer Gruppe hält sich die Waage – sowohl an Tito als auch am zentralen Platz mit dem modernen Theaterbau.

Dass Tito aber nach wie vor einen – wenn auch nicht unumstrittenen – Namen in Slowenien hat und letztlich in Restjugoslawien, ist aber ein wichtiger Punkt, der mich auch ein bissel überrascht hat. Aber auch erklärbar ist:

Als Partisanengeneral geht Josip Broz, genannt Tito, in den erbitterten Partisanenkampf in Jugoslawien gegen die deutsche Besatzung, faschistische Ustascha und Tschetniks. Die Befreiung wird zur Basis des sozialistischen Jugoslawiens. Gerade die Bedeutung des Partisanenkampfes als Gründungs- und Traditionsmythos des Landes ist enorm.

Staatschef der Volksrepublik Jugoslawien wird 1945 eben jener Partisanengeneral Tito. Er schafft es, den Vielvölkerstaat zu einen. Und er schafft es, einen sowohl im Osten als auch im Westen respektierten Staat zu etablieren. Am 7. April 1963 zum Präsidenten auf Lebenszeit berufen stirbt er am 4. Mai 1980.

Die Trauer war groß, die Diskussionen sind groß, der Respekt aber nach wie vor ebenfalls groß. Mehr dazu: hier

Später checken wir im faszinierenden Riverhouse Ljubljanica ein, die Chefin gibt uns unzählige Tipps, u.a. das Restaurant MOST, was sich als der Tipptoppglücksgriff herausstellt. Bestes Essen, ultraspannendne Weine. Wir werden öfter hier sein.

Zuvor aber ist mir der aktuell größte Glücksmoment beschert – direkt an der Ljubljanica gelegen ist unsere Unterkunft, aus der Küche auf die Terasse auf das schon für den Winterschlaf festgezurrte Party-Floßboot. Und da dann quasi direkt auf dem Fluß in Beobachte-Position. Soweit erstmal.

Dass sich ein dann noch ein Eisi niederlässt habe ich gehofft, nie im Leben indes gedacht, dass mir dieses Glück gleich heute beschieden sein sollte. Vollkommenes Glück. Ich beschließe, morgen früh gleich zum Sonnenaufgang erneut zu schauen.

Doch zunächst genießen wir den Abend im bereits erwähnten MOST bei lecker Essen und einem spannenden Orange-Wein.

Tag 3

Es ist früh und hätte ich nicht die Hoffnung auf den Eisi, ich wäre vlt. nicht aufgestanden. So aber stehe ich mit dem Sonnenaufgang auf und suche meinen Platz auf dem Floß. Die Lichtverhältnisse sind nicht die besten, die Sonne hat es schwer gegen den Nebel. Die Atmosphäre des beginnenden Herbsttages indes ist faszinierend. Immer wieder mal zeigt sich eine Ente, zwei Schwäne sind erst recht neugierig, um sich dann doch woandershin zu orientieren, immer wieder Vögel, die durch die Gegend fliegen. Das alles nimmt die Lubljanica geduldig hin, sie lebt ihren eigenen Rhythmus.

Ein Eisi zeigt sich nicht.

Eine angenehm-warmwohlige Dusche und ein gemeinsames Frühstück später sind wir auf dem Weg in die City von Ljubljana, unsere Unterkunft ist gut drei km von der City entfernt. Wir beginnen bei der Drachenbrücke. Es folgen die Markthalle, die Dreierbrücke Tromostovje, der Prešerenplatz und und und.

Später die Nationalbibliothek.

Ohne Zweifel, Jože Plečnik hat der Stadt ein modernes, beschwingtes und abwechslungsreiches Bild eingeschrieben, es macht Spaß, hier unterwegs zu sein v.a. entlang der Ljubljanica als zentrale Wasserachse.

Er studierte Architektur als Schüler von Otto Wagner in Wien, arbeitete lange Zeit in dessen Architekturbüro und bereiste mit Stipendien schließlich Italien und Paris. Als Vertreter der Wiener Sezession erhielt er 1921 eine Professur an der Universität von Ljubljana und wurde in der Folge einer der federführenden Stadtplaner der Landeshauptstadt. Denn diese war seit dem Ende des Ersten Weltkrieges wichtiges Zentrum im neu gegründeten „Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen“ und man suchte nach einem nationalen Stil. Plečnik gestaltete die Stadt nach und nach zu einer Großstadt um und schuf ästhetische und kulturelle Zentren. Quelle

Noch mehr zum Nachlesen zu Jože Plečnik: hier

Hinauf zur Burg, die seit über 900 Jahren einen überragenden Panoramablick bereithält und auch das Gefühl dafür, wie nah die Slowenischen Alpen sind. Gestern Abend hatte unser Taxifahrer noch erzählt, dass es das erste Mal in der Saison geschneit habe und nun sehen wir die weißen Bergspitzen. Darauf einen Wein.

Tag 4

Explizit vorgenommen hatte ich es mir heut nicht, weil mein Wetterradar von geschlossener Wolkendecke sprach, aber i-wie bin ich doch wieder zum Sonnenaufgang wach. Nun denn, mit einem Kaffee in der Hand schaue ich mal nach. Wie gestern Morgen ist es zunächst ruhig, doch dann kommt richtig Bewegung in die Sache: zunächst ein Nutria, der dahinschwimmt, später zeigt sich der Eisi auch des Morgens, wenn auch versteckt und bissel entfernt, die Freude ist dennoch riesig. Später noch Specht und Rotkehlchen.

Anschließend fahren wir gen Soča Tal. Der Nebel liegt über der Lubljana-Region, später klart es mehr und mehr auf und als wir uns dem Triglav-Nationalpark nähern, ist von Nebel nicht mehr ansatzweise die Rede. Wir erreichen das Soča-Tal für eine kleine aber feine Wanderung in der Ecke.

Sechs Kilometer zählt Komoot, sechs Kilometer mit teils felsigen unebenden Wegen, mit Hängebrücken über das Tal, mit Hängebrücken in einer Höhe, die mich herausfordern insbesondere dann, wenn sich Menschen drauf bewegen und Schwingungen erzeugen. Hochgradig unangenehm, die Fotos von den Schluchten, von den Soča-Trögen, indes möchte ich halt dennoch haben:-)

Die Soča gilt als einer der schönsten Flüsse Europas, vielleicht mit, nach oder neben der Vjosa in Albanien. Vor allem das leuchtende Türkis, die intensive blaugrüne Färbung bestechen. Dazu kommen kleinere und größere Wasserfälle entlang des Flußlaufs, Stromschnellen, enge Felsschluchten, zahlreiche Tröge.

Und dann ist da noch die Wasseramsel.

Mehr zum Soča-Tal: hier

Der Rückweg soll noch einen anderen Schwerpunkt bekommen, also umrunden wir das Triglav-Massiv nun an der Südseite. Und kommen so an der Tolmin-Klamm vorbei. Die liegen bissel nördlich vom Örtchen Tolmin und sind der südlichste Zugangspunkt Triglav-NP, zwischen 1953 und 1958 vollständig erschlossen.

Als der bekannteste Besucher der Höhle gilt Dante Alilghieri, italienischer Philosoph und bekanntester Dichter des Mittelalters, der sich hier Inspirationen zur „Göttliche Komödie“ holte. Mehr dazu: hier

Nach dem Desaster mit und nach dem Essen am Vorabend beschließen wir, in der Hütte zu bleiben und zu kochen, klassisch Spaghetti gibt es, aber Spagehtti gehen ja halt immer.

Tag 5

Auch heute wieder früh wach, als ob mir eine innere Stimme die Zeiten einflüstert. Dabei bin ich ja nun so gar nicht der Typ für frühes Aufstehen. Aber auch heute lohnt es sich. Unübersehbar hat auch hier der Herbst begonnen:

Der Nebel liegt schwer und fast undurchdringlich über dem Wasser, die Enten höre ich mehr als ich sie sehe, ab und an ist ein Vogel etwas lauter. Die Stille im Tagesbeginn hat einen überwältigenden Zauber. Insbesondere wenn der Zauber von den wohlgeformten zarten perlenbestückten Spinnennetzen kongenial unterstrichen wird. Ohne Zweifel, der Herbst zeigt, was er kann. Jeder Morgen hier unmittelbar am Fluß ist anders, faszinierend und hält eine Überraschung bereit.

Zwischen Mitte September und Mitte Oktober stellt sich über Mitteleuropa häufig ein beständiges Hochdruckgebiet mit kühlen, klaren Nächten (Taubildung!) und warmen, fast windstillen Tagen ein: Der Herbst zeigt sich von seiner Schokoladenseite – Altweibersommer eben.

Der Name „Altweibersommer“ leitet sich vom altdeutschen Wort weiben ab, was sich hin- und her bewegen, auch flattern, schwanken bedeutet. So wird beim Weben von Stoffen das Schiffchen im Webstuhl durch die Kettfäden hin und her bewegt. Viele Jungspinnen verlassen im Juni/Juli den von der Spinnenmutter hergestellten Kokon, in den sie ihre Eier ablegte. Im Herbst sind sie groß und kräftig genug, um gut sichtbare Spinnennetze zu weben, die frühmorgens mit Tau benetzt im Altweibersommer in der Sonne glitzern und uns ins Auge fallen. Quelle

Und ein weiteres Mal überrascht uns die schier undurchdringliche Nebelbank, die indes eben nur über der Lubljana-Region liegt, denn kurz nachdem wir raus sind, ist strahlender Sonnenschein. Lubljana liegt in einem Talkessel, den die Save und die Lubljanica durchfließen. Gerade im Herbst entsteht dann gern der Nebel: die kalte, schwerere Luft fließt von den Hängen in die Täler und sammelt sich im Flusstal, streicht über das wärmere Flusswasser. Wasser verdunstet an der Oberfläche, die kalte Luft von den Hängen kann den wärmeren Wasserdampf nicht speichern und so steigt die Feuchtigkeit auf. Und wird sichtbar. Mal sieht es aus wie ein rauchender Fluss, mal verdichtet es sich zu Nebel.

Bald haben wir Blejski grad erreicht. Faszinierende Burg mit atemberaubender Lage. Seit 1004/1011 ist hier eine Befestigung, stetige Erweiterungen folgen. 1511 schwere Beschädigungen bei einem Erdbeben, danach wieder aufgebaut, seitdem hat sie das heutige Aussehen.

Star indes ist nicht die Burg, Star der Region ist ohne Zweifel der Bleder See, etwa 475 m über dem Meer, entstanden durch den Rückgang des Bohinjer Gletschers, der den Talkessel mit dem kristallklaren Gletscherwasser füllte.

In der Mitte die kleine Insel mit der Kirche Maria Himmelfahrt. Hier trennen sich unsere Wege für die nächsten zwei Stunden, mich zieht es statt auf die Insel nach oben auf den Mala Osojnica. Ich genieße den kurzen, an zwei drei Stellen kantigen Aufstieg und vor allem das Panorama.

Der Bleder See mit seiner Burg und dem Panorama-Blick: klare Empfehlung.

Tag 6

Von der Küste hat Slowenien relativ wenig abbekommen, 46 Kilometer sind nicht viel. Ein Besuch indes lohnt sich allemal, pittoreske Städte und auch ein paar Strände locken. Uns zieht es zunächst nach Piran. Lage und mediterrane, fast venezianische Architektur begeistern bei bestem Sonnenschein. Zentral ist der Tartini-Platz, hier beginnt, hier endet jede Tour durch den knapp 4.000-EW-Ort. Zur Sankt-Georgs-Kathedrale geht es ein paar Meter hinauf, die Lage ist sensationell. Gerade als wir den Glockenturm erklommen haben und das atemberaubende Panorama genießen, kündet die Glocke von der Mittagsstunde – keine drei Meter neben uns. Eigentlich ein wohliger Klangteppich für den Blick, den wir gerade genießen, nur halt deutlich zu laut.

Schlendern durch die Gassen, mit dem Fahrrad ein paar Meter oder per Pedes rauf zur alten Stadtmauer von 1470 / 1533. In der Zeit wurde sie errichtet, allerdings stand schon im 7. Jhdt. eine erste Stadtmauer, doch die musste im Laufe der Zeit immer wieder den Gegebenheiten und Herausforderungen angepasst werden, meistens ist ein Küstenort ja nicht nur einfach ein Küstenort, sondern auch immer wieder umkämpft und belagert und so braucht’s auch entsprechend gesicherte Stadtmauern.

Anschließend ein Eis, einen Kaffee an der Westspitze des kleinen Landvorsprungs von Piran.

Slowenien ist historisch sozusagen zwischen den Interessen Italiens und Kroatiens eingezwängt worden, nach dem Ersten Weltkrieg, nach dem Zerfall Österreich-Ungarns und endgültig durch Grenzziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Zementiert letztlich bei der Unabhängigkeit 1991. Slowenien verbleibt nur der kleine von Koper, Izola und Piran geprägte Küstenstreifen.

Tag 7

Auf dem Weg hätte sie gestern noch gelegen, zeitlich indes wäre es schwierig geworden – die Škockanska Höhle steht also heute auf dem Programm. Leider ohne Armin, aber mit mehrfach aneinandergereihter Schlaflosigkeit ist auch irgendwann mal der Akku runter, Armin bleibt also an der Lubljanica, wir fahren zur Höhle.

Anfängliche Freude, dass hier doch recht wenig los ist, weicht einem leichten Entsetzen, als hier mehr als eine Busladung Schüler ankommt und die Ruhe dahin ist. Die werden doch wohl hoffentlich nicht mit uns? Tun sie nicht, sie haben einen extra Timeslot erhalten.

Klar ist hier ne Menge los, 200.000 Jahresbesucher kommen ja auch irgendwoher, aber spätestens in der Höhle zieht sich das angenehm auseinander, es wird eine angenehme Führung. Zunächst in die Große Halle, später in die Orgelhalle. Stalagmiten, Stalagtiten, Stalagnaten und Geschichten. Soweit das normale Höhlenprogramm.

Ab der Rauschenden Höhle wird es anders, nun ist die reißende Reka zu hören, atemberaubend laut. Der Charakter der Höhle hat sich geändert, hier ist nix mehr mit Tropfsteinhöhle, das jetzt ist Karstgebirge in Reinkultur. Spätestens als wir die Cerkvenik-Brücke überquert haben. 45 Meter Fallhöhe über dem reißenden Fluß, Dunkelheit und unser Weg die ganze Zeit am Rande der Schlucht.

Die Höhle ist wahnsinnig beeindruckend, wahnsinnig spannend. Wir sind hier in einem Karstgebirge unterwegs, später bei unserem kurzen Weg in den Park Škocjanske haben wir eine Einsturz-Doline vor uns, die so rund eben typisch für ein Karstgebirge ist.

Das große Thema im Karst ist die Erosion, Karst steht letztlich für die Gesamtheit von durchlässigen, wasserlöslichen Gesteinen (Kalkstein, Gips zB). Ausgelaugt durch Oberflächen- und Grundwasser brechen die Gesteinsstrukturen auch mal einfach weg oder zusammen. Es entstehen Dolinen, Erdorgeln, weit verzweigte Höhlen.

Und das unterscheidet Škockanska und Postojna in meinen Augen ganz gewaltig. Postojna hat das Höhlenfeeling mit Stalagmiten, Stalagtiten, Stalagnaten und hat auch noch den Grottenolm. Škockanska hat durchaus auch diverse Tropfsteine im Anfang, aber später den überwältigenden Mehrwert mit eben der Rauschenden Höhle, die ich so noch nicht gesehen und vor allem gefühlt habe.

Abends haben wir die kleine aber feine Oper Ljubljana auf dem Programm. Slowenisch klingt das bissel abgefahrener: Slovensko narodno gledališče Opera in balet Ljubljana, 1892 eröffnet, jüngst saniert und 2011 wiedereröffnet bietet 550 Zuschauern Platz.

Wir haben Karten für Rossinis Il viaggio a Reims, ossia L’albergo del giglio d’oro (dt.: Die Reise nach Reims oder Das Hotel zur goldenen Lilie, eine leichtgängige, eher komödiantische Oper mit einer passenden Inszenierung.

Zum Abschluss gönnen wir uns einen Wein im MOST, gerade die Orange-Weine hier sind doch ziemlich spannend, bisher ist mir nur der Koncho & Co Rkatsiteli Qvevri 2023 aus Georgien als – für meinen Gaumen – ernstzunehmender Orange-Wein aufgefallen.

Anschließend noch einen Wein in unserer Unterkunft und Zack ist mein Geburtstag da. Auf den stoßen wir natürlich auch noch an:-)

Tag 8

Und so gestärkt zieht es uns noch einmal in den Triglav NP zur Vogel-Seilbahn. Die ist jetzt nicht nach dem slowenischen Nationalvogel, der Europäische Waldohreule, benannt, sondern nach dem gleichnamigen Berg. 1.922 m ist er hoch, die Seilbahn bringt uns auf 1.537 m und bietet uns beste Panoramasicht auf den Nationalpark, Triglav-Gipfel inklusive.

Wir entscheiden uns für eine kleine 5-km-Wanderung hier oben, immerhin 220 Höhenmeter, so ganz ohne Anstrengung war es nicht. Die Herbstpanoramen begleiten uns den ganzen Weg, es ist ein würdiger Abschluss der Tour hier im Triglav-NP. Seit 1924 als Nationalpark ausgewiesen, in den Julischen Alpen gelegen, mit dem Triglav als höchste Erhebung, auf stattliche 2.864 m bringt er es.

Mit dem Vogel, der Soča und dem Bleder See haben wir in der kurzen Zeit drei der wichtigsten Punkte, letztlich die wichtigsten Punkte des Nationalparks erwandert.

Wenig überraschend sind wir noch einmal zum Essen im MOST, die Lage, die Atmosphäre, die Weine und das Essen sind wohltuend und für einen entspannten Urlaub genau passend. Und da tags drauf über 1.000 km Rückweg anstehen gerade genau richtig, um noch einmal die besten kulinarischen Eindrücke vom wundervollen Slowenien mitzunehmen.

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