SARAJEVO – September : 2012

Sarajevo_11Überragender Fußball läutet die bevorstehende Tour auf den Balkan ein. Eintrachts Zweite bezwingt im Oberliga-Spitzenspiel Hansa Lüneburg mit 5:1. Danach geht‘s direkt zum Magnifest mit dem üblichen Procedere.

Trotz recht frühen Weckerklingelns gelingt das Aufstehen problemfrei und so finden sich Robin und ich bei bestem sommerlichen Wetter des Mittags im Sektionsbus in Zwickau wieder. Es folgen 1.300 km Richtung Europas Süden. Die Balkanmetropole Sarajevo ist das Ziel. Die Zeit wird erfolgreich überbrückt mit diversen goldgelben Getränken, Pfeffi und der Vermittlung Braunschweigischen Liedgutes. Ein mittelschweres Wunder, dass sich unsere Hommage an Sylvie van der Vaart bisher noch nicht nach Chemnitz rumgesprochen hatte, aber nun, die Kulturbotschafter-Rolle haben wir nachweisbar erfolgreich wahrgenommen.

Während also Horst und Horst (warum haben Busfahrer eigentlich immer solch komische Namen?) den Bus durch die Nacht steuern, geben wir uns der Vorfreude auf Sarajevo hin und werden am nächsten Morgen auch kein bisschen enttäuscht. Zunächst fällt auf, dass Sarajevo, von der Einwohnerzahl mit Braunschweig vergleichbar, sich konsequent in einen Talkessel der Karpaten eingefräst hat und sich deswegen auch unendlich lang zieht. Doppelt so lang als real erscheint es, weil unsere Busfahrer recht wenig Plan haben und dementsprechend durch Sarajevo kurven. Nun denn, gegen 9:00 stellen wir unsere Taschen am Hotel ab und begeben uns auf eine erste Erkundungstour durch die Altstadt. Doch zuvor wird um die Ecke der Gott der Nahrung angerufen. Erwartungsgemäß zeigt er sich hier in Balkannähe recht fleischig, zudem sehr schlicht. Das georderte Cevapcici entpuppt sich als eine Ansammlung von acht in ein aufgeschnittenes Fladenbrot hineingeworfenen Fleischkötteln. Kein Salat, keine Paste, nur Fleisch und Brot. Abgefahrene Schlichtheit, bisschen trocken auf Dauer, aber sehr direkt. Fragen erübrigen sich.

Die Altstadt weiß sehr zu gefallen. Kleine Gassen, kleine Lädchen, viel von dieser orientalisch anmutenden Goldschmiedekunst. Die Altstadt steht wie ich finde klar an verschiedenen Schwellen: sie geht ins Orientalische ohne orientalisch zu sein; sie widerspiegelt osmanische Einflüsse, ohne den Besucher damit zu penetrieren; sie ist kleinteilig-verwinkelt ohne hektisch-unübersichtlich zu sein. Es ist genau dieser ruhige Lebensfluss, der mich begeistert. Zudem sind die Leute hier extrem entspannt. Der Ladenbesitzer unseres Vertrauens bietet uns ganz selbstverständlich die Bank vor seinem Geschäft zum Verweilen mit Sarajevskoje an, zuvor hat er dort noch seinen Tee getrunken.

Es ist Biernationalität Nummero 2 auf der Sechs-Länder-sechs-Biere-zwei-Stadien-Tour. Zunächst zählen wir nur Deutschland und Bosnien, denn durch die anderen Länder sind wir ja lediglich schlafend gefahren. Aber es folgen ja noch Stationen.

Irgendwann machen wir uns auf den Weg zum Asim Ferhatović Hase Stadion, was nach einem bosnischen Fußballer benannt ist. Nach der Altstadt kommen ein paar Regierungsgebäude, überraschend ist, wie konsequent die Altstadt aufhört und die Neustadt beginnt. Krass wird‘s dann auf dem weiteren Weg zum früheren Olympiastadion, den wir bewusst zu Fuß gehen, die Geschichte des jugoslawischen Bürgerkrieges weist eine vierjährige Belagerung Sarajevos aus und ganz klar interessieren uns die Spuren in der Stadt. Fassaden mit Einschusslöchern links und rechts wirken und stimmen nachdenklich, weit krasser aber sind die vielen Friedhöfe. Oberkrass allerdings ist ein Friedhof auf dem Stadiongelände, welcher bei näherem Hinsehen eben nur Sterbedaten zwischen 1992 und 1996 ausweist. Es sind die Daten der Belagerung. Für einen sehr spürbaren und nachhaltigen Moment wirkt hier nicht das Olympiagelände mit seinem Charme der 50er Jahre sondern einzig der Bürgerkrieg.

Aber irgendwann zählt dann doch der Fußball und der heißt hier und heute U-21-EM-Qualifikation mit Bosnien-Herzegowina vor 2.000 Zuschauern, denen ein unterhaltsames 4:4 geboten wird.

Am nächsten Tag stehen lediglich 800 km an. Es geht von Sarajevo nach Wien, wo am nächsten Tag, am 11. September das EM-Qualispiel gegen Österreich ansteht. Und nun, auf dem Weg, kommen die Länder und Biere drei und vier hinzu, denn es geht von Bosnien via Kroatien und Slowenien nach Österreich. Abends sind wir dann in Wien, den ganzen Tag im Bus, es gibt sicher weniger aufwändige Reisen, aber wir wussten ja, worauf wir uns einlassen. Von Wien sehen wir nix weiter, springen am Stadion raus, sehen ein 2:1 von Deutschland und anschließend geht’s ins Hotel irgendwo in der Vorstadt oder was weiß ich wo. Jedenfalls ziemlich ab vom Schuss, ein Bier können wir nach langer langer Suche auftreiben und damit haben wir dann auch Nation fünf mit Bier fünf.

Das sechste Bier kommt am nächsten Tag hinzu. Durch die Tschechische Republik geht’s zurück nach Deutschland, diesmal kommen lediglich 600 km auf den Tacho, wenn man es eben nur auf Chemnitz bezieht. Eine Intensive Tour geht zu Ende, da Wien ja lediglich der Zusatz zu Sarajevo, dem erklärten Hauptziel war, passte auch alles. Ob knapp 3.000 km (jetzt mal die Transfers von und nach Braunschweig eingerechnet) für die kurze Zeit so richtig Sinn machen, sei dahingestellt, da aber der Bus okay war, die Zeit für Sarajevo ausreichend war und insgesamt alles sehr entspannt war, kann man nur sagen: Alles gut! Alles richtig gemacht! Die „Sechs-Länder-sechs-Biere-zwei-Stadien-Tour“ ist erfolgreich gemeistert und hat Spaß gemacht.

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