WACHAU – Oktober : 1993

Der Historiker-Stammtisch ist eine lockere Zusammenkunft von Studierenden und Lehrenden des Historischen Seminars Braunschweig. In der Regel trifft man sich 1 x im Monat bei fachwissenschaftlichen Vorträgen und verbindet dies mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein. Regelmäßige Exkursionen – meist in herbstlichen Semesterferien – gelten der Erkundung verschiedener Regionen, die Geschichte steht hier natürlich im Vordergrund. Im Oktober 1993 geht es in die Wachau.

Unterkunft ist in Melk zu Füßen des Stiftes in einer eher mittelmäßigen Jugendherberge. Mag daran liegen, dass ihre Tage gezählt sind, sie abgerissen werden soll. Ein 6.000er-Dörfchen ist Melk, ein paar Gasthöfe hat es und die wunderschöne Abtei, quasi zu Weltruhm gelangt durch „Der Name der Rose“. Wer kennt ihn nicht, den Adso von Melk, den Adlatus von William von Baskerville, gespielt von dem unsterblichen Sean Connery.

Kulinarisch wissen in dem Dörfchen auf sich aufmerksam zu machen: Hirn mit Ei, Palatschinken und Lungenhaschee, wobei letzteres auf eher durchwachsenen Zuspruch kam. Die Jugendherberge hingegen bietet hinsichtlich der Verpfelgung bestenfalls Durchschnitt.

Entlang der Donau geht es nach Luberegg. Ein Gutsschlösschen Franz II. Weiter nach Artstetten, wo wir von Graf Ulrich Arco von Zinneberg durch die Ausstellung „Von Meyerling bis Sarajevo“ geleitet werden. Sehr kompetent, sehr aristrokatisch.

Neben Schlössern auch hinreißende Burgruinen wie Aggstein und Dürnstein. Bei Aggstein zeigt Karim, unser busfahrende Kommilitone, sein ganzes Können. Es soll sich lohnen, Aggstein ist ein wahrer Hingucker. Dürnstein ist dann eher die anstrengende Variante, zu Fuß geht es hinauf. Ziemlich fies bei den Temperaturen, aber dafür gibt es nach der Rückkehr im hübschen Städtchen eine angemessene Abkühlung. Der Ausblick entschädigt und unterwegs zu sein auf den Spuren von Richard Löwenherz, der hier gefangen gehalten wurde ebenfalls. Die Burg wurde von den Kuenringern Mitte des 12. Jahrhunderts erbaut. Bekannt ist die Burg durch die Gefangennahme des englischen König Richard Löwenherz, der vom dritten Kreuzzug heimkehrte. Von Dezember 1192 bis März 1193 war er auf Dürnstein gefangen. Der Ort hier ist verbrieft, die eine oder andere Legende um ihn bzw. um Robin Hood ist es nicht zwingend.

Ein Tagesausflug nach Bratislava bietet sich aufgrund der Nähe an. Noch ist die Stadt mit dem Erbe des Sozialismus beschäftigt, der Aufbruch wird für später erwartet. Abschließend gibt’s eine eindrucksvolle Stadtführung durch Krems. Harry Kühnel, jahrelang Kommunalpolitiker und mit der Sanierung des Ortes beschäftigt, führt kompetent durch die Stadt und kann mit diversen erhellenden Hintergrundinformationen glänzen.

Festzuhalten bleibt: gutes Wetter, gute Stimmung, schöne Wachau.

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