Die Spielpläne meinen es gut mit Bine und mir: Freitag spielt unser BTSV in Düsseldorf, damit passt der Rigoletto am Samstag im Aalto und zum Abschluss gibt es noch die Turandot. Ein emotional herausragendes Wochenende.
Eintracht in Düsseldorf war, zumindest in der neuen Arena, nicht immer so richtig geil. Heuer ist es mal anders und das ist auch dringend nötig. Auf verschiedenen Wegen läuft die Anreise, ich hab zuvor in der Region zu tun, aber egal, zum Spiel sind wir da. Unser BTSV überrascht mit Spielwitz, Konsequenz und Überzeugung. 2:1. So kann das Wochenende beginnen.
Bine und ich fahren weiter, in Essen ist unser Hotel. Am Handelshof lässt es sich gut aushalten, immer wieder.
Beseelt vom Auswärtssieg zieht es uns zunächst zum Zollverein. Jeder Besuch hier ist neu, jeder Besuch hält etwas bereit, was vorher noch nicht da war. In diesem Falle ist es die Ausstellung „Das Land er tausend Feuer“.
240 ausgewählte Gemälde und Grafiken aus der Sammlung Ludwig Schönefeld zeigen das Bild des Ruhrgebiets als Industrieregion aus der Perspektive der bildenden Kunst. Die Ausstellung im Ruhr Museum startet am 7. April und läuft bis zum 14. Februar 2026.
„Die Sammlung von Ludwig Schönefeld zählt mit über 1.500 Gemälden, Aquarellen und Grafiken zu den wichtigsten Zusammenstellungen dieser Kunstrichtung im Ruhrgebiet“, sagt Prof. Heinrich Theodor Grütter, Direktor des Ruhr Museums, nicht ohne Stolz. Mit der Ausstellung übergibt der aus dem Ruhrgebiet stammende Kommunikationsfachmann und Historiker die Sammlung vollständig in die Obhut des Ruhr Museums. „Das ist eine der größten Sammlungserweiterungen in der Geschichte des Ruhr Museums“, so Prof. Grütter weiter. „Sie reflektiert romantische, symbolische und ideologische Elemente in der Industriemalerei ebenso wie neue künstlerische Ausdrucksformen.“ Damit schafft die Sammlung eine spannende Verbindung von Kunst und Geschichte und regt zur Reflexion über die sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der Industrialisierung an, die das Ruhrgebiet geprägt haben.
Dem Grundgedanken des Sammlers folgend, zeigt die Ausstellung Werke von ganz unterschiedlichen, manchmal auch anonym gebliebenen Künstlerinnen und Künstlern. Dabei unterstreicht sie deutlich, dass nicht allein der Name und der künstlerische Ruf über die Bedeutung eines Industriegemäldes für die Geschichte des Ruhrgebiets entscheiden. Quelle
Zollverein mit Ausstellung, mit Kokerei, mit dem ganzen Gelände: es ist und bleibt ein schwer faszinierendes Gesamtkunstwerk. Und es ist ein so großes Areal, dass wir hier auch ganz automatisch auf gut Bewegung kommen, sehr gut.
Weiter geht’s zur Margarethenhöhe, benannt nach der Stifterin Margarethe Krupp. Eine Vorzeige-Gartenstadt, entstanden zwischen 1909 und 1938. Die Idee ist ein schön gelegenes, trautes Heim, mit Garten und mitten in der Großstadt im Herzen des Ruhrgebietes. All das gelingt: es entsteht eine Siedlung mit attraktiven Wohnungsbedingungen, nicht nur, aber vor allem für Angestellte und Mitarbeiter des Krupp-Konzerns.
Abends gemeinsam ins Aalto, es schwingt einiges an Aufregung mit, an positiver. Ich liebe das Aalto und ich hoffe und wünsche mir natürlich, dass sich diese Faszination auch auf Bine überträgt. So ist es dann auch, das Aalto zieht einen in den Bann und der Rigoletto, eine der in meinen Augen beste Verdi-Opern, ebenfalls.
Den Abend lassen wir an der Hotelbar ausklingen, es sind nicht nur die Standard-Whiskys hier und das ist interessant und unterstützenswert.
Einen Tag später sind wir reif für die Henrichshütte Hattingen. 1854 wird sie gegründet, produziert Roheisen und Stahl, vor allem Edelstahl und wird ab 1987 stillgelegt: 1987 die Hochöfen sowie das Walzwerk, 1993 das Stahlwerk, 2003 schließlich die Schmiede. Markant steht der 55 Meter hohe Hochofen 3 für die Hütte und das Museum, 1940 wird er angeblasen und übertrifft die Leistungsfähigkeit seiner Vorgänger um Längen.
Aktuell ist hier die Ausstellung „The Beauty of Steel“. Der tschechische Fotograf Viktor Mácha hat weltweit Hochöfen, Siemens-Martin-Öfen, Walzwerke, Schmiedewerke fotografiert. Ein kleiner Teil dieser faszinierenden Sammlung von Bildern der Industriekultur ist ausgestellt. Die kraftvollen Aufnahmen strotzen vor Energie und Leben. Und eben Stahl. Schwer faszinierend.
Den Tag lassen wir ausklingen mit der Turandot. Doch was heißt ausklingen lassen, wenn es die Oper ist, die ich nun das vierte oder fünfte Mal im Aalto sehe? Die wir im Aalto sehen. Wieder und wieder ein ganz starkes Stück, wieder und wieder ein Puccini, der bewegt, begeistert, berauscht.
Die paar Kilometer von Essen noch Braunschweig im Anschluss vergehen denn auch wie im Fluge.























