PRESSESCHAU zu PSV Braunschweig – FC Mainaustraße – 27. Juni 2026

Braunschweiger Zeitung – Do – 02.07.2026 – Henning Thobaben

Kunstrasen aus dem LKW, Wolters-Bier aus dem Kühlschrank, Eddie the Eagle als Werbeträger: Der Polizei SV feiert seine irrste Fußballpartie.

Braunschweig. Die Saisonabschlussfahrt bedeutet für viele Fußballmannschaften: ab in den Süden und Party machen auf einer bekannten Mittelmeerinsel. Die Fußballer des Polizei SV Braunschweig ticken da anders. Nicht dass sie dem Feiern abgeneigt wären – aber sie haben sich eine außergewöhnliche Tradition zugelegt: Jedes Jahr erwecken sie einen „Lost Ground“, also einen Platz, auf dem das runde Leder schon seit langem nicht mehr rollt, zum Leben. Die Groundhopper kickten bereits auf einer alten Radrennbahn in Bielefeld, auf einem Sportplatz auf Helgoland oder zuletzt in zwei verlassenen Stadien in England. Jede einzelne Fahrt war ein besonderes Erlebnis. Jene am vergangenen Wochenende aber eine ganz besondere.

Das Olympiastadion in Garmisch-Partenkirchen (siehe Infobox) ist überwiegend Skisport-Fans ein Begriff. Fußball? Wurde dort auch schon mal gespielt. Aber das ist mehr als fünf Jahrzehnte her. Und genau das machte die Location für die PSV-Mannschaft so reizvoll. Weil die Rasenfläche am Fuße der Schanze nicht primär für die Austragung von Fußballpartien gemacht ist, brachen die Abenteurer mit ihrem jüngsten Projekt gleich mehrere Rekorde: Noch nie machte eine Fußballreise den Spielern so viel Arbeit. Noch nie vergossen sie bei der Vorbereitung so viel Schweiß. Und noch spielten sie vor so großer Kulisse.

Gut 2700 Besucher pilgerten bei hochsommerlichen 36 Grad in die Arena, manche kamen sogar aus Österreich, der Schweiz oder aus Tschechien. Doch als die Stadiontore öffneten, hatte das Orga-Team des Polizei SV schon einiges geleistet. Angefangen mit der Planung über Wochen im Voraus. Vor allem behördliche Angelegenheiten galt es zu regeln. „Es gibt am Stadion zwar Parkplätze, aber die werden von Wanderern schon frühmorgens belegt. Wir mussten also eigens welche für uns anmieten“, berichtet Organisator Nils Burgdorf von einer Auflage.

Die 3000 Euro waren aber letztlich sinnlos eingesetztes Geld. Denn die Stellplätze rund um die Uhr zu überwachen, überforderte die Braunschweiger angesichts der vielen anderen Aufgaben.

Die größte zu stemmende Herausforderung: Die Rasenfläche am Fuße der Schanze entspricht nicht den Maßen eines Fußballfelds. Bedeutet: Die PSV-Verantwortlichen mussten die Spielfläche verlängern. „Unser Plan war, dass ein Unternehmen eine 15 mal 50 Meter große Kunstrasenbahn dorthin bringt, sie auslegt und nach der Veranstaltung wieder mitnimmt“, erklärt Burgdorf. Doch angesichts veranschlagter Kosten von 15.000 Euro verzichtete die Gruppe auf den Service. Stattdessen fand sie durch einen Podcastaufruf Förderer – darunter eine Spedition und ein Unternehmen, das Kunstrasen vermietet. So sanken die Kosten deutlich.

Allerdings: Nach der Ankunft mit der Bahn am Freitag um 17 Uhr musste die Reisegruppe aus Braunschweig selbst mächtig ranklotzen. Es galt, die Kunstrasenbahnen zu verlegen, danach musste das Feld markiert werden. Erst gegen Mitternacht genossen die Sportler ihr Feierabendbier. Wegen der extremen Hitze mussten zuvor noch Rasensprenger besorgt werden. Und auch am Spieltag hatten die Fußballer noch einige Stunden Vorbereitungszeit in Kauf zu nehmen, bevor das Publikum um 14 Uhr hinein durfte. Weil die PSVer möglichst vieles erhalten wollen, was dem modernen Fußball verloren gegangen ist, werden die Partien stets um 15.30 Uhr angepfiffen. Auch ein Programmheft wird regelmäßig angeboten. Und ein Stück heimische Trinkkultur musste auch diesmal wieder importiert werden: Rund 1200 Dosen Wolters-Bier ließen die Organisatoren nach Bayern bringen. „Wir haben dafür sogar noch über Kleinanzeigen gebrauchte Kühlschränke angekauft und Eiskübel aus dem Baumarkt besorgt“, berichtet Burgdorf.

Das Olympiastadion Garmisch-Partenkirchen:
Am Fuße des Gudibergs entstand bereits um 1900 ein erster Wintersportplatz. Das heutige Olympiastadion samt der „Großen Olympia-Schanze“ – damals noch eine reine Holzkonstruktion – kam 1936 für die IV. Olympischen Winterspiele hinzu. Um die Winterspiele organisatorisch zu erleichtern, hatte das NS-Regime gegen den Widerstand beider Gemeinden die Vereinigung von Garmisch und Partenkirchen zum 1. Januar 1935 erzwungen.

Zur Eröffnungsfeier kamen rund 20.000 Menschen. Der „Spezialsprunglauf“ – so hieß das Skispringen damals – zog am letzten Wettkampftag sogar rund 130.000 Zuschauende an. Nach 1945 ersetzte eine Stahlschanze die alte Holzkonstruktion. Eingeweiht wurde sie am 1. Januar 1951. Gefördert hatte den Neubau Hans Lerch, der zeitweise in Garmisch-Partenkirchen lebte und alleiniger Aktionär der Braunschweiger MIAG Mühlenbau und Industrie AG war. Das Unternehmen produzierte im Zweiten Weltkrieg Rüstungsgüter für das NS-Regime und beschäftigte Zwangsarbeiter.


Seit 1953 wurde im Skistadion alljährlich das Neujahrsspringen der Vierschanzentournee ausgerichtet. 2007 kam die heutige Sprungschanze mit dem markanten freitragenden Anlaufturm hinzu. Von 2017 bis 2022 sanierten die Betreiber das denkmalgeschützte Olympia-Skistadion umfassend und statteten es mit einer modernen Flutlichtanlage aus.


Alte Aufnahmen zeigen, dass die Rasenfläche im Sommer auch als Fußballplatz diente. Belegt ist ein Spiel des TSV 1860 München, vermutlich vom April 1938. Ansonsten nutzten Hobbykicker den Platz, oder er diente den lokalen Vereinen als Ausweichfläche. Von 1972 bis 1974 trug der SC Eibsee Grainau seine Heimspiele im Olympiastadion aus – bis der in Eigenregie gebaute Platz im Rosenthal fertig war.

nd – neues deutschland – 22.06.2026 – Christoph Ruf

PSV Braunschweig vs. FC Mainaustraße: Richtiger Fußball an der Sprungschanze
Christoph Ruf rümpft bei der aktuellen Fußball-WM nur die Nase. Er hat dagegen ein ganz anderes Balltreter-Event auf dem Zettel.

Haben Sie in den vergangenen Wochen schon mal jemanden getroffen, der die Fifa nicht mit Sodom und Donald Trump mit Gomorrha gleichsetzt? Und der nicht pflichtschuldig betont, dass er an dieser WM natürlich keine Freude haben werde? Nun, ziemlich sicher hat der politisch so wache Gesprächspartner dann das Wort »eigentlich« hinzugefügt.


Nach meinem rein subjektiven Eindruck wird diese WM im MAGA-Land jedenfalls kein bisschen weniger zwanghaft verfolgt als die unzähligen davor. Abgesehen vielleicht von der WM 2022 in Katar, wo es noch ein klein wenig offensichtlicher war, dass die Gepflogenheiten im Gastgeberland nicht zum Menschenrechtsgesäusel passen, das sich Fifa, Uefa und DFB seit einigen Jahren draufgepackt haben. Irgendwann, wenn ich älter bin, versuche ich mich mal in Menschen hineinzuversetzen, die sich dank Umsonst-Shirt freiwillig zur Check-24-Werbesäule machen und mit anderen ähnlich merkwürdig gewandeten Menschen den Nagelsmännern zugucken.

Gut hingegen kann ich nachvollziehen, wenn man auch im brüllheißen Juni nicht vom echten Fußball lassen kann, aber einfach nicht begreifen will, was das mit dieser überzüchteten, künstlich aufgeblähten Showveranstaltung zu tun hat. So ging es auch den rührigen Menschen vom PSV Braunschweig, die deshalb mal wieder ein großartiges Hopping-Event organisiert haben. Über 2500 Menschen, die Stadionbesuche sammeln wie andere Leute Briefmarken, werden am kommenden Samstag erwartet, wenn der PSV am Fuß der Sprungschanze (!) in Garmisch-Partenkirchen auf die aus Geflüchteten bestehende Mannschaft vom FC Mainaustraße aus München trifft. Dass ein solcher Kick vor Alpenkulisse das Herz jedes Fußballreisenden höherschlagen lässt, muss nicht gesondert erwähnt werden. Dass die fleißigen jungen Menschen, die sich als »Vollblutamateure, denen das soziale Miteinander am Herzen liegt«, beschreiben, den verwaisten Platz durch Verlegen von geliehenem Kunstrasen erst bespielbar machen müssen, schon.


Echte Eintrittskarten wird es geben, eine liebevoll gestaltete Stadionzeitung und jede Menge Hopper-Merch. Und selbstverständlich hüpfen in der Halbzeit Jugendspringer des SC Garmisch von der Schanze, ehe nach dem Schlusspfiff Livemusik zu Gehör gebracht wird, und es zum Kassensturz kommt. Denn natürlich kommen alle Einnahmen karitativen Zwecken zugute. Ganz wie bei der Fifa also, wo die Clique um Gianni Infantino als bedürftig ausgemacht wurde.


Zwei Merkwürdigkeiten müssten Kurzentschlossene allerdings direkt mit den freundlichen Menschen unterhalb der Sprungschanze klären. Erstens: Warum ein Verein, bei dem das »P« in PSV für »Polizei« steht, 13,12 Euro als Eintrittsgeld verlangt (Spoiler: »All cops are brilliant« ist nicht gemeint). Und zweitens: Warum man zum Souvenir-Verkauf mühsam Übel-Fabrik-Bier aus Braunschweig nach Oberbayern karrt, wo es dort doch deutlich mehr hervorragende Brauereien als Eulen in Athen gibt.


Aber natürlich ist das auch deutlich sinnvoller, als bei 37 Grad zu Hause zu sitzen und WM zu gucken. Zumal, wenn man weiß, dass die jungen Menschen bei einem der vergangenen Hopping-Events palettenweise Niedersachsen-Plörre nach England geschleppt haben. Mit dem Zug.

11Freunde – 27.06.2026 – Jonas Werner

Groundhopper-Highlight in Bayern – Viel schöner als WM!
Während die Augen der Fußballwelt auf die WM gerichtet sind, pilgern an diesem Samstag Tausende Grundhopper in ein Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Verantwortlich dafür ist ein Polizeisportverein aus Braunschweig.

Kindern erzählt man gern das Märchen vom Froschkönig. Dort wird ein schöner Prinz von einer bösen Fee in einen Frosch verzaubert und muss erst von einer Prinzessin geküsst werden, um seine alte Schönheit wieder zu entfalten. Manchmal gilt dieses Märchen nicht nur für Frösche, sondern auch für Stadien. Für leidenschaftliche Groundhopper – also jene Fans, die anscheinend wahllos Stadien und Sportplätze sammeln, indem sie dort ein Spiel verfolgen – ist das Olympia-Skistadion so ein verzauberter Ort.


Am Eingang zur wilden Partnachklamm gelegen, ist diese für die Olympischen Winterspiele 1936 errichtete Sportstätte in Garmisch-Partenkirchen eigentlich kein klassisches Fußballstadion. Und doch spielte in den Siebzigerjahren der SC Eibsee Grainau dort Fußball, wo einst Jens Weißflog, Sven Hannawald und Janne Ahonen durch die Lüfte segelten, Siege in der Vierschanzentournee feierten und damit Sportgeschichte schrieben. An diesem Samstag rollt hier nun noch einmal der Ball, wenn auch nur zwischen zwei Zehntligisten: Der PSV Braunschweig spielt gegen den FC Mainaustraße aus München. Doch was nach furchtbarem Geholze klingt, ist für viele Groundhopper tausendmal attraktiver als die WM in Übersee.

Der etwas andere Polizeisportverein: Einer, der die zumindest fußballerisch verschlafenen Stadion-Frösche wachküsste, ist Nils Burgdorf. Der Mannschaftskapitän des PSV Braunschweig ist dieser Tage ein viel beschäftigter Mann und wenig zu Hause. Sein Team organisiert die Partie im Skisprungstadion, bereits zum neunten Mal spielt der PSV in einem sogenannten „Lost Ground“. Der Organisationsstress rund um das große Spiel im Süden Deutschlands verlangt dem früheren Fanbeauftragten von Eintracht Braunschweig einiges ab. Dass es einmal so kommen würde, war anfangs nicht abzusehen.

„Eigentlich waren wir nur eine bunt zusammengewürfelte Truppe von Freunden, die den Herbst ihrer fußballerischen Laufbahn zusammen erleben wollten“, berichtet Burgdorf von den Anfängen der Mannschaft. Die Auswahl an Vereinen war dabei in Braunschweig begrenzt: „Wir wollten uns nicht als zweite oder dritte Mannschaft irgendwo integrieren, denn bei unserer Breite des Niveaus wäre am Ende doch wieder nur die Mannschaft zusammengewürfelt worden.“ Ebenso wichtig war der Truppe ein Rasenplatz, „weil wir noch aus einer Fußballschule der beinharten Grätschen kommen und das auf Kunstrasen eher schmerzhaft ist“. Und so fiel die Wahl auf den Polizeisportverein Braunschweig. Für manche im Freundeskreis keine Wunschwahl, kommen doch viele Spieler aus der Fanszene der Eintracht oder anderen Subkulturen Braunschweigs, die mit der Staatsmacht traditionell fremdeln. „Da gab es tatsächlich bei uns in der Kabine viele Diskussionen. Am Ende hat der Verein zwar diese Tradition, ist aber ein ganz normaler Breitensportverein mit Angeboten von Jiu-Jitsu bis Nordic Walking. Eine Männer-Fußballmannschaft gab es jedoch schon länger nicht mehr“, begründet Nils Burgdorf die Entscheidung für diesen Verein.

Für ihn und einige weitere Stadionenthusiasten im Team ebenfalls ein Argument: Der vereinseigene weitläufige Sportplatz ist das zweitgrößte Stadion Braunschweigs. Auch dieses war verwildert, die Stehstufen wollte der Verein renaturieren. „Da haben wir dann interveniert und den Vorstand gefragt, was der Mist soll!“, erinnert sich Burgdorf lachend. Am Ende schob die Mannschaft Arbeitsschichten und legte die Stufen wieder frei. Gewissermaßen war ihre Heimspielstätte der erste verwunschene Stadion-Prinz, den der Freundeskreis wachküsste.

Halbemond statt Mallorca: Warum also nicht selbst dort spielen? Mit einer erfolgreicher Durchführung des Unterfangens rechnete beim PSV kaum jemand, umso überraschender war dann die Zusage aus Ostfriesland. „Auf einmal meinte der Mann am Telefon, dass wir das Stadion einfach mieten könnten. Wäre zwar nicht ganz billig, aber dann könntet ihr dort auch machen, was ihr wollt“, beschreibt der Kapitän des PSV die Anbahnung des ersten Spiels. Ein lokaler Gegner war mit dem Süderneulander SV schnell gefunden und eigentlich hätte nun die Werbetrommel gerührt werden können. Doch dann kam Corona und das ganze Spiel war in Gefahr. Mit den ersten Lockerungen der Pandemie im Sommer 2020 bot sich dann dennoch eine Gelegenheit. Voraussetzung hierfür war ein Hygienekonzept und keine großen Werbemaßnahmen für das Spiel. Nur Freunde und Bekannte erfuhren von der Partie im 22.-größten Stadion Deutschlands. Am Ende waren dennoch einige hundert Stadionsammler in Ostfriesland und sahen eine 1:3-Niederlage der Braunschweiger. Viel wichtiger als das Ergebnis war jedoch die erfolgreiche Durchführung einer solchen Veranstaltung. Es war ein Aufbruch zu neuen Ufern.

Zunächst teilten nicht alle in der Mannschaft den neuen Enthusiasmus der Groundhopper im Team, wollten wie andere Vereine das Geld der Mannschaftskasse lieber auf Mallorca vertrinken, statt sich mit anderen Kreisligisten in zu groß geratenen Provinzstadien zu messen. Doch die für einen Zehntligisten niemals sonst erreichbare Kulisse und die tolle Atmosphäre bei den Spielen überzeugten auch die letzten Zweifler. Partien in verlassenen Stadien am Werbellinsee, in Riesa und in der Radrennbahn Bielefeld folgten. Ein besonderes Highlight war vergangenes Jahr ein Spiel im Millmoor Ground im mittelenglischen Rotherham, wo der PSV auf Dog Daisy United traf und eine weitere Partie im nahegelegenen Cougar Park absolvierte. Ein Kreisligist im Europapokal quasi. Längst haben sich die Amateure des PSV Braunschweig dabei zu Organisationsprofis entwickelt, die Spiele werden mittlerweile von langer Hand geplant. Und viele Groundhopper wie auch Freunde des lokalen Amateurfußballs unterstützen die verrückten Braunschweiger durch den Erwerb eines Tickets im Vorverkauf über die sozialen Netzwerke des PSV.

Die Ansprüche der oftmals etwas schrullig-verschrobenen Groundhopping-Szene und die organisatorischen Anforderungen an solch ein großes Event beißen sich dabei regelmäßig. „Es wurde schon mehrfach an uns herangetragen, doch bitte am Vormittag zu spielen, damit man noch andere Grounds in der Umgebung machen kann“, berichtet Burgdorf. „Doch wir müssen das oftmals gar nicht mehr für ein solches Spiel ausgerichtete Gelände stundenlang vorher startklar machen. Und dann haben wir ja trotzdem auch noch einen gewissen sportlichen Anspruch an uns als Mannschaft und müssen nach dem ganzen organisatorischen Stress etwa anderthalb Stunden vorher so langsam in den Spielmodus finden. Da können wir nicht um elf beginnen!“

Romantische Perfektionisten: Der Aufwand, die Stadien wieder fit zu machen, ist dabei immens. Für das Skisprungstadion muss beispielsweise kiloweise Kunstrasen verlegt werden, um die richtigen Maße eines Fußballplatzes zu erhalten. Hier sind die Jungs romantische Perfektionisten: „Wir wissen, dass es wahrscheinlich niemanden juckt, ob der Platz zweieinhalb Meter zu kurz ist. Aber wir wollen dann auch tatsächlich die entsprechenden Maße haben. Wennschon, dennschon!“ Gleiches gilt für gedruckte Eintrittskarten, Programmhefte, Fassbier und Bratwurst. Die Pflege der traditionellen Fußballkultur ist der Mannschaft wichtig. Ansonsten sind sie äußerst progressiv eingestellt, sprechen sich klar gegen Diskriminierung aus, haben Trikots mit Regenbogenmotiven, spenden den Gewinn an lokale Sozialträger. Probleme machen – neben dem finanziellen Risiko und den vielen Anfragen – vor allem auch die Auflagen lokaler Behörden: „Sicherheitskonzept, Verkehrskonzept, Erstellen von Lageplänen und Sicherheitsbesprechungen vor Ort bringen unser ehrenamtliches Engagement an die Grenzen der Machbarkeit. Das ist schon wie ein zweiter Vollzeitjob“, ächzt Burgdorf. Der Termin steht dennoch und die Planungen sind weit vorangeschritten – es sind bereits über 2000 Tickets verkauft.

Wenn das Spiel in Garmisch vorbei ist, fällt eine große Last ab. „Wir müssen aufpassen, danach nicht in ein riesiges Loch zu fallen ob des großen Aufwandes.“ Deshalb wird bereits auf der Rückfahrt das nächste Spiel geplant, das am 3. Oktober in Marl stattfinden soll. Denn irgendwo da draußen ist noch immer ein großes Stadion zu finden, das nur darauf wartet, von den Fußball-Romantikern aus Braunschweig wachgeküsst zu werden.

Merkur – 28.06.2026 – Vinzent Fischer

„Will sich keiner entgehen lassen“: Weltberühmtes Stadion in Bayern für Fußballspiel reaktiviertIm Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen wird nach Jahren wieder Fußball gespielt. Zumindest für ein Freundschaftsspiel der besonderen Art.

Garmisch-Partenkirchen – Das Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen ist für sie so etwas wie der heilige Gral. Das eigentlich unerreichbare Ziel, das plötzlich in greifbare Nähe rückt. Groundhopper haben die altehrwürdige Sportstätte schon lange auf dem Zettel – Fußballfans, deren Leidenschaft darin besteht, möglichst viele verschiedene Fußballstadien und Sportplätze zu besuchen. Sie haken die Stadien ab und bewahren die Tickets auf, wie Sammler. Am kommenden Samstag, 27. Juni, bietet sich ihnen eine einmalige Möglichkeit. Nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, findet im Skistadion wieder ein Fußballspiel statt. Wie in den alten Zeiten.

„Lost-Ground-Spiel“ in Garmisch-Partenkirchen: Groundhopper reaktivieren weltberühmtes Ski-Stadion für Fußballspiel: Hinter diesem Kick mit der besonderen Geschichte steckt das Team des Polizeisportvereins Braunschweig. Die Fußballer treten in ihrer Heimat in der 2. Kreisklasse an. Entspricht dort der 10. Liga. Doch gemeinsam teilen die Sportler eine Leidenschaft. Für ihre Mannschaftsfahrten suchen die Braunschweiger Fußballstätten in ganz Europa, die seit mehreren Jahren nicht mehr bespielt werden. Und erwecken sie für „Lost-Ground-Spiele“, also Duelle auf verlorenen Plätzen, zu neuem Leben.

„Für viele in der Szene ist das Olympia-Skistadion ein Sehnsuchtsort“, sagt Helge Keller, der dem Organisationsteam angehört. Er muss es wissen, ist schließlich selbst ein Groundhopper. Die Lage, die Historie und die Einzigartigkeit machen den Charme dieser Spielstätte aus. „Das will sich keiner entgehen lassen.“ Die Resonanz spricht Bände: Rund 2500 Tickets hat der PSV Braunschweig bereits verkauft. „Überwältigend“ findet Keller diesen Zuspruch.

Amateurvereine auf größer Bühne: Bereits 2500 Tickets verkauft: Für das Spiel fanden die Niedersachsen einen Gegner in München. Auch beim 1. FC Garmisch-Partenkirchen hatten die Organisatoren angefragt – und eine Absage erhalten. Daher steigt das Duell nun gegen den FC Mainaustraße. 2016 als Fußballprojekt für unbegleitete minderjährige Geflüchtete gegründet, hat sich der Verein inzwischen in der A-Klasse
etabliert. „Das ist total unterstützenswert“, findet Keller. Im Skistadion können sich beide Teams auf der großen Bühne präsentieren.

Bis das Skistadion für das Freundschaftsspiel bereit ist, liegt allerdings noch einiges an Arbeit vor Keller und seinen Mitstreitern. Weil der Rasen in der Länge um knapp 15 Meter zu kurz ist, leihen sie sich einen Kunstteppich aus München aus. Ein Gleichgesinnter aus der Groundhopper-Szene fährt dazu eigens mit einem Lkw aus Nordrhein-Westfalen gen Süden, sammelt den Rasen ein und bringt ihn nach Garmisch-Partenkirchen. Denn dass das Spiel auf einem Großfeld stattfindet, ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Spielstätte abgehakt werden kann. „Das wird wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass im Skistadion ein Fußballspiel auf Großfeld stattfindet“, erläutert Keller. Denn allein die Organisation hat mehrere Stunden gekostet.

Fußball-Flair durch Programmheft und individuelle Eintrittskarten: Die Vorfreude auf das Spiel schmälert das keineswegs – im Gegenteil. Für das Spiel haben sich die Veranstalter mächtig ins Zeug gelegt. Ein 24-seitiges Programmheft und individuell gestaltete Eintrittskarten sorgen für Fußball-Flair. Samstag, 15.30 Uhr, klassische Anstoßzeit wie in der Bundesliga. Ein Caterer bietet Essen und Getränke an, auch eine Band tritt auf. Vor dem Spiel und in der Halbzeitpause werden Nachwuchs-Sportler vom Skiclub Partenkirchen von der Schanze springen. Denn die macht für die Groundhopper den ganz eigenen Reiz des Stadions aus.

sechzger.de – 28.06.2026 – Christian Jung

Für Groundhopper aus ganz Deutschland (und darüber hinaus) und natürlich auch für die Löwenfans unter dieser sehr speziellen Spezies war gestern ein ganz besonderer Tag! Im Skistadion von Garmisch-Partenkirchen, am Fuße der großen Skisprungschanze, die viele Leser*innen sicher aus dem Fernsehen vom traditionellen Neujahrsspringen der jährlichen Vierschanzentournee kennen, fand ein Fußballspiel statt. Bei brütender Hitze kamen – geschätzt – um die 2.000 Besucher in das sehenswerte Stadion, darunter auch vier Redaktionsmitglieder von sechzger.de.

PSV Braunschweig veranstaltet Spiele in Lost Grounds: Der Polizeisportverein Braunschweig, ein großer Breitensportverein, dessen erste Herrenmannschaft für gewöhnlich in der 2. Kreisklasse Braunschweig (zehnte Leistungsstufe) spielt, kümmert sich schon seit ein paar Jahren darum, Fußballspiele auf Fußballplätzen zu organisieren, wo das – mit einem gewissen organisatorischen Einsatz – möglich ist, aber für gewöhnlich nicht (mehr) passiert. So fand zum Beispiel – als Premiere – im September 2019 eine Partie im Speedway-Stadion von Halbemond in Ostfriesland, dem europaweit größten seiner Art, statt. Nach einer Pause wegen der Corona-Pandemie lud man die Groundhopper-Gemeinde auf die Insel Helgoland oder auch ins Stadion der Stahlwerker nach Riesa, einem heute nicht mehr bespielten Denkmal der DDR-Sportgeschichte, ein. Im Sommer letzten Jahres ging es für den PSV mit seinen Aktivitäten gar ins Ausland: Im Rahmen einer “Pitch-to-Pub”-Tour bereiste man England und absolvierte zwei Spiele in zwei faszinierenden Stadien in Rotherham (Millmoor Ground) und Keiglhey (Cougar Park).

Keine Lust auf die WM: Die Motivation für den gestrigen Kick in GAP, der nach Zuschauern mit Abstand meist besuchte des PSV Braunschweig, beschreibt die extra für das Ereignis aufgelegte Stadionzeitung so:

Hattet Ihr auch so wenig Lust auf diese Fußball-Weltmeisterschaft wie wir? Dem korrumpierten Spielbetrieb der Profis setzen wir heute wieder einen ehrlichen Amateurkick entgegen und freuen uns sehr, dass so unglaublich viele Menschen den Weg hierher gefunden haben! Wo sonst Skispringer:innen nach ihren unglaublichen Sprüngen auf dem schneeweißen Untergrund ausfahren und sich von den begeisterten Massen feiern lassen, findet heute nach langer Zeit mal wieder ein offizielles Freundschaftsspiel statt,

FC Mainaustraße – erst kürzlich bei sechzger.de erwähnt: Als Gegner oder besser vielleicht: Spielpartner stand am Samstag Nachmittag in Garmisch der FC Mainaustraße aus München auf dem Platz. Wem der Name dieses Vereins aus unserer Berichterstattung nun irgendwie bekannt vorkommt: Richtig erinnert! Erst Mitte Januar diesen Jahres erzählten wir hier von der !NieWieder-Veranstaltung im Sechzgerstadion, an der auch zwei Vertreter vom FC Mainaustraße am Podiumsgespräch über Erinnerungsarbeit und Erinnerungskultur in Fußballvereinen teilnahmen. Das Herrenteam des FCM spielt in der Münchner A-Klasse Gruppe 3 und damit auf der gleichen Leistungebene, wie die ofziellen Gastgeber aus Niedersachsen gestern Nachmittag. Der Verein ist ein bemerkenswertes soziales Projekt im Münchner Amateurfußball. Er enstand im Münchner Westen (Aubing/Neuaubing) direkt aus einem Integrationsprojekt für Gehüchtete und erhielt im Jahr 2025 den Julius Hirsch Preis des DFB.

Pinwand mit dem Wohnort-Nachweis: Die exakte Anzahl an Groundhoppern, die sich letztlich gestern in Garmisch einfand, ließ sich leider nicht ermitteln, aber allein die vielen Fußballfans wohl bekannte App futbology weist 1633 Log-Ins aus. Die Tatsache, dass sich Fußball- & Stadionfans aus dem ganzen Bundesgebiet und den angrenzenden Ländern auf den Weg nach Garmisch gemacht hatten, um dabei zu sein, unterstrich auch die am Eingang aufgehängte Deutschlandkarte, auf der alle Besucher*innen mit einer Stecknadel ihren Wohnort markieren durften. Natürlich waren dort sehr viele Nadeln auf München und Nürnberg gesteckt worden – aber auch aus dem Westen der Republik und dem ganz hohen Norden war man angereist.

Fotos von oben: Über das Spiel selbst muss diese Stelle ausnahmsweise nicht allzu viel erzählt werden. Die Jungs aus der Mainaustraße kamen mit der Hitze ein wenig besser zurecht, als die Braunschweiger und behielten am Ende eines sehr fairen Vergleichs verdient mit 3:1 die Oberhand. Für einen Spieler der Niedersachsen war das Ganze gewiss ein besonderes Highlight: Er beendete nach rund einer Viertelstunde seine aktive Karriere und wurde von rund 2.000 Zuschauern verabschiedet. Ein kleiner Wermutstropfen bei diesem wirklich tollen Event war der Sturz eines der Skispringer, die zur Pause von der etwas kleineren Normalschanze sprangen. Der folgende Notarzteinsatz verlängerte die Halbzeitpause um 30 Minuten, was wiederum zwei sechzger.de-Redakteure ausgiebig nutzten, um sich – trotz der Hitze – zu Fuß in luftige Höhen zu begeben und die hier unter dem Beitrag eingefügten Bilder für Euch zu schießen. Der Blick auf das Stadion von oben war wirklich einmalig.

Abfrischung auf der Rückfahrt: Für die anwesenden Fans des TSV 1860 bot der gestrige Tag, die Möglichkeit, sich zwar am Samstag Nachmittag mit Fußball zu beschäftigen, aber dennoch in diesen wahrlich schwierigen Zeiten mal ein wenig Abstand vom Geschehen rund um ihren Lieblingsverein zu bekommen. Das hat mal richtig gut getan! Die Hälfte der anwesenden sechzger.de-Redaktion, die Glück hatte und mit dem Auto zurück nach München reiste und so dem Bahnchaos am frühen Abend in Garmisch entkamen, nutzte die Gelegenheit noch zu einer kurzen Erfrischung in den Osterseen bei Iffeldorf, wie die beiden letzten Fotos in unserer Galerie zeigen. Ein wirklich gelungener Aushug ins Oberland!

Tagblatt Garmisch – 29.06.2026 – Andreas Mayr

Groundhopper-Spektakel im Skistadion – knapp 3000 Zuschauer bei Testspiel Novum in Garmisch-Partenkirchen

Dieser Tag gehörte Männern wie Chris Walker. Der Brite bereist für sein Leben gerne Fußballplätze. Je exotischer, desto besser. Selbst bis nach London hatte es sich herumgesprochen, dass im Juni ein Feld wieder bespielt wird, das den Fußball eigentlich verbannt hat. Und so setzte sich Walker ein Ziel: Das Skistadion in Garmisch-Partenkirchen – erbaut für die Olympischen Winterspiele, berühmt durch die Vierschanzentournee – sollte das 1000. Fußballfeld werden, das er besucht. Genauso ist es am Samstag gekommen. Walker, so erzählte er dem ganzen Stadion am Mikrofon, brachte handsignierte Karten eines weiteren Briten mit, der im Olympia-Skistadion Berühmtheit erlangt hat: Skispringer Michael Edwards, besser bekannt als Eddie the Eagle.

1000 verschiedene Felder auf allen Ecken der Welt sind natürlich eine reife Leistung. Aber lange nicht das Maximum. Manche Sammler kommen auf über 2000, erzählt Helge Keller. Er gehört zu einer Gruppe junger Männer aus Braunschweig, die nicht nur gerne die eigene Stadion-Kollektion erweitert, sondern auch verlorene Felder zurück ins Jetzt holt. Die Zusage aus Garmisch-Partenkirchen erreichte sie unverhofft. Ihnen war klar: Diesen historischen Schatz gilt es, sofort zu heben. „Wer weiß, wann es wieder möglich ist.“


Die Macher vom PSV Braunschweig setzten eine Maschinerie des Ehrenamts in Gang, wie sie nur Frauen und
Männer bedienen können, die leidenschaftlich gerne auch mal nach Kasachstan für ein Spiel der hiesigen
Dritten Liga reisen. Sie bedruckten Taschen und T-Shirts mit einer Silhouette des Skistadions, liehen und
transportierten einen Kunstrasen aus München, karrten eine Band, Essens- und Getränkewägen heran, hatten ein Sicherheitskonzept aufzustellen, kurz: Sie zauberten ein wunderbares Fußballfest für an die 3000 Besucher. Etwa 2800 Tickets setzten sie ab. Die Einnahmen gehen an fünf unterstützenswerte Anlaufstellen, darunter drei in der Region: an den Skisprung-Nachwuchs des SC Partenkirchen, den Kreisjugendring und den Verein Queer im Oberland.

Keller weiß: „Das wird nicht allen Leuten immer schmecken, wie wir politisch ausgerichtet sind.“ Am Vorabend mussten sie das selbst feststellen. Als sie Sticker an den üblichen Stellen klebten, trafen sie auf Ultras des SC Riessersee, die dem rechten Lager zuzuordnen sind, und die stellten klar, wer hier das Sagen hat. Die Männer vom PSV gehören dem weltoffenen, tendenziell linken Spektrum der Fanszene an. Ihr Kapitän trägt und traf das Tor in einer Regenbogen-Binde. Als Gegner wählten sie den FC Mainaustraße aus dem Münchner Westen, der sich vor sieben Jahren aus Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft Mainaustraße gegründet hatte und mittlerweile in der A-Klasse angekommen ist. „Passt super zu unserem Wertesystem“, betont Keller. Wem das nicht gefällt, der darf gerne daheimbleiben – oder muss eben wegschauen. Keller jedenfalls hofft, „den einen oder anderen zum Nachdenken zu bringen“ mit einer Haltung, die Leute ein- statt ausschließt.


Die meisten Stadion-Sammler, die sich Groundhopper nennen, schätzen genau diese Offenheit am Fußballplatz. Oliver aus Wuppertal sagt, er freue sich stets auf die freundlichen Leute und netten Gespräche an den entlegensten Orten. Voriges Jahr war er beim Pokalfinale in Japan, eines seiner 80 Stadien. Garmisch-Partenkirchen sei „das Außergewöhnlichste“. So sehen es auch die anderen Fußball-Touristen. Anders lässt sich eine solch immense Zahl ja nicht erklären. 3000 Leute hatten sie noch nie, das ist „das dickste Brett, das wir bisher gebohrt haben“, erklärt Keller. Szene-bekannte Podcaster kündeten vom Spiel im Schatten der Schanze, im Nachgang werden unzählige Blogger und Vlogger ihre Erlebnisberichte einreichen. „Wir haben mittlerweile einen Namen: Wir sind die Verrückten, die nichts scheuen.“ Im Oktober küssen sie das Jahnstadion in Marl, nahe Gelsenkirchen, wach.

Zwischendrin kicken sie auch im Wettkampfbetrieb. Letzte Liga in Braunschweig. Aufsteigen wollen die Männer mit Durchschnittsalter um die 35 Jahre nicht. Weil man dann nicht mehr unbegrenzt auswechseln darf. Im Skistadion wurde freilich munter durchgetauscht. Alleine, um der Hitze beizukommen. Am Ende, nach vier Trinkpausen, einer Verletzungsunterbrechung – einer der drei jungen SCP-Springer stürzte bei den Vorführ-Flügen, wurde mit lädierter Hand abtransportiert – und etwa zweieinhalb Stunden gewannen die Gäste aus München 3:1. Wichtig war das Resultat nicht. Es zählte, dass die Besucher ein weiteres Stadion in ihren Kollektionen abhaken konnten und „Zeitzeugen eines einmaligen Events“ wurden.

Wochenanzeiger München – 29.06.2026 – Es war wohl das ungewöhnlichste Spiel des Fußballsommers: Der Münchner Amateurverein FC Mainaustraße traf auf den Polizei SV Braunschweig – im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen, vor über 2700 Zuschauern.

Sportlich ist die Geschichte des Freundschaftsspiels schnell erzählt. Bei Temperaturen von 36 Grad war kein o!ener Schlagabtausch zu erwarten. Beide Mannschaften mussten mit ihren Kräften haushalten, immer wieder wurde die Partie für Trinkpausen unterbrochen. Letztlich siegte der FC Mainaustraße aus der Münchner A-Klasse (10. Liga) gegen den auf ähnlich niedrigem Niveau spielenden Polizei SV Braunschweig mit 3:1.

Genau das macht das OIympia-Skistadion so reizvoll für Groundhopper – Menschen, die Fußballplätze und Stadien „sammeln”. Dafür reicht eine Stadionbesichtigung nicht aus: Man muss schon ein Fußballspiel darin sehen, um ein Stadion in die persönliche Trophäensammlung aufzunehmen. Das ist nun kein größeres Problem in der Allianz Arena oder im Grünwalder Stadion, schon deutlich schwieriger im Dantestadion oder Münchner Olympiastadion (hier machte sich einst Türkgücü München beliebt in der Szene…), aber quasi unmöglich bei Anlagen wie dem OIympia-Skistadion.Fußballspiele auf seltenen Plätzen.

Zuschauer aus ganz Deutschland: Zahlreiche Groundhopper aus ganz Deutschland und sogar anderen Ländern wie Österreich, der Schweiz oder Tschechien kamen trotz sehr heißer Temperaturen nach Garmisch-Partenkirchen, um das Testspiel zu sehen. Über 2000 Karten waren im Vorfeld verkauft worden. Als offizielle Zuschauerzahl gab der Polizei SV nach dem Spiel 2713 an – mehr als bei manchem Spiel der 3. Liga. In die Groundhopper-App „Futbology” trugen über 1650 Nutzer ein, vor Ort gewesen zu sein. Ein englischer Groundhopper aus der Nähe von London schaffte es nach eigenen Angaben sogar, das Olympia-Skistadion als 1000. Ground (also besuchten Fußballplatz) abzuhaken. Und auch die markanten Sprungschanzen wurden ins Rahmenprogramm einbezogen: Vor dem Anpfiff rollten die Spielbälle die Schanze hinunter, in der Halbzeitpause gab es eine Vorführung von Skispringern – wobei nach einem Sturz der Notarzt ausrücken musste.

Mittendrin in diesem ungewöhnlichen Fußballfest war der FC Mainaustraße aus München-Aubing. Der aus einer Fußballmannschaft von jungen Geflüchteten entstandene Verein spielt seit 2019 in den unteren Münchner Fußballligen um Punkte – vor durchschnittlich 40 Zuschauern. „Die Kulisse war Wahnsinn: die Anlage, die Schanze, die Berge. Kaum einer unserer Spieler war bisher in den Bergen”, sagt der Vorstand des FC Mainaustraße, Stefan Lenz. Die Mannschaft besteht durchweg aus Spielern afrikanischer Herkunft.

Um den Teambus nach Garmisch zu bezahlen, will der Verein laut Lenz die Prämie aus dem mit 7000 Euro dotierten Julius-Hirsch-Preis verwenden. Den Preis hatte der FC Mainaustraße im Herbst 2025 erhalten, womit die DFB-Kulturstiftung die Integrationsarbeit würdigte. Denn der FC Mainaustraße gibt den Spielern nicht nur eine sportliche Heimat, sondern hilft ihnen auch bei Behördengängen sowie der Arbeits- und Wohnungssuche. BFV-Präsident Christoph Kern nannte den Münchner Verein eine „Erfolgsgeschichte für soziales und gesellschaftliches Engagement“.

Für Toleranz und gegen Hass: „Mehr als 2000 Leute haben gesehen, wie wir als Team auftreten und wie talentiert die Spieler sind. Wie sie o!en auf Zuschauer zugingen und sich mit kleinen Kindern abklatschten”, erzählt Stefan Lenz: „Es wäre schön, wenn aus dem geflüchteten Fußballer nun der Sportler wird. Wenn das ›Flüchtling‹ nicht mehr dominiert und der Sportler in den Vordergrund tritt.” Denn es gab einen weiteren wichtigen Aspekt des Testspiels: Beide Mannschaften traten für Toleranz ein, positionierten sich deutlich gegen Hass, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Wohlgemerkt, an einem historisch belasteten Ort – schließlich fanden die Olympischen Winterspiele von Garmisch-Partenkirchen 1936 während des Nationalsozialismus statt.

Faszination Fankurve – 01.07.2026

Der Besuch im Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen am 27. Juni war für viele Groundhopper in der langen Sommerpause mehr als nur ein Lückenfüller. Dort organisierte der Verein PSV Braunschweig ein Spiel und reaktivierte damit diesen „Lost Ground“. Es war nicht das Erste dieser Art. (Faszination Fankurve, 01.07.2026)

„Lost Grounds“ sind Fußballplätze bzw. Stadien, die offiziell nicht mehr genutzt werden. Seit einigen Jahren organisiert der Verein PSV Braunschweig Spiele auf solchen Plätzen. Ziel der Veranstaltungen ist es Stadion-Sammlern den Spielbesuch zu ermöglichen. Die gesamte Organisation, vom Kartenverkauf, Catering, bis hin zum Platz herrichten erfolgt dabei komplett ehrenamtlich. Alles, was am Ende der Veranstaltung an Einnahmen übrigbleibt, spendet der PSV an karikative Zwecke. Die Gegner sind oft lokale Vereine. So spielte man das erste Mal 2020 gegen den Süderneulander SV 1968 e.V. im Speedway Stadion Motodrom Halbemond (Ostfriesland) vor 250 Zuschauenden (auf Grund von Corona-Beschränkungen). Es folgten die Spiele:


PSV Braunschweig – SG Sengwarden / Fedderwarden auf dem Fußballplatz Nordostgelände (2021, 617 Zuschauende)
SV Hohenwart – PSV Braunschweig im Stadion am Werbellinsee (2022, 595 Zuschauende)
BSG Kali Werra Tiefenort – PSV Braunschweig im Waldstadion im Kaffeetälchen / Tiefenort (2023, 300 Zuschauende)
SV Stauchitz 47 – PSV Braunschweig im Stadion der Stahlwerker „Ernst Grube“ in Riesa (2024, 999 Zuschauende auf Grund behördlicher Auflagen)
Dog Daisy United – PSV Braunschweig im Millmoor Ground (2025, 367 Zuschauende)
FC Eccleshill United U 21 – PSV Braunschweig im Cougar Park (2025, 99 Zuschauende)


In diesem Sommer fiel die Wahl auf das Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen. Dieses ist vor allem durch die Vier-Schanzen-Tournee bekannt.

Der sportliche Gegner war für den PSV diesmal der FC Mainaustraße. Neben einer selbst gestalteten Eintrittskarte gab es für die Besucher ein umfangreiches Spieltagsheft, ein Merchandise-Angebot und eine XXL-Landkarte auf der man eine Pinnnadel auf seinen Heimatort setzen konnte.

Viele Besucher und Besucherinnen nahmen trotz der hohen Temperaturen die steilen Aufstiege neben der Ski-Sprungschanze in Kauf. Andere versuchten noch ein Plätzchen im Schatten zu ergattern.

Insgesamt kamen 2.713 Leute, womit ein neuer Rekord aufgestellt wurde. Sportlich gewann der FC Mainaustraße das Spiel mit 3:1. Eine gewisse Herausforderung für viele Besucher und Besucherinnen war schließlich die Heimreise, da der Regionalverkehr in Richtung München Aufgrund eines Großbrandes in Eschenlohe komplett eingestellt werden musste.

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